Die blaue Kuh melken

Dieser historische Ausdruck stammt von der Westküste Dänemarks und bezeichnete den Umstand, vom Treibgut des Meeres zu leben. Nach jedem großen Sturm stiegen die Küstenbewohner einst über die sandigen Dünen an den Strand, um dort alles, was mit den tosenden Wellen angetrieben wurde, aufzusammeln. Die Einrichtung der Häuser an der Küste soll damals regelrecht Schiffskajüten geglichen haben, so ertragreich war die Ausbeute. Neben dem Fischfang sicherte das Gold des Nordens – der Bernstein – den Lebensunterhalt der Bewohner der Nordsee.

Menschen haben noch nie im Einklang mit der Natur gelebt

Das Bild von einem Menschen, der harmonisch im Einklang mit der Natur lebt, ist ein Märchen aus dem Reich „Retrotopia“. Seit wir diesen Planeten bewohnen, holzen wir Wälder ab, bauen Siedlungen und graben riesige Löcher in den Boden, um Rohstoffe zu gewinnen. Die Natur „in Ruhe zu lassen“ ginge genaugenommen nur, wenn wir bereit wären, auszusterben.

Umweltschutz fängt mit der existenziellen Absicherung aller Individuen an

Die historische Ausbeute „der blauen Kuh“ war strafbar: Nach damaligen dänischem Recht gehörte alles, was das Meer mit den Wellen antrieb, dem König. Das Einbehalten des Strandgutes war illegal. Die Krone wurde dennoch regelmäßig nicht an den Funden beteiligt.

Menschen, die nicht qua Geburt über eine sichere Grundversorgung verfügen, waren zu allen Zeiten einfallsreich: Wenn es darum geht, die eigene Existenz zu sichern, wird und wurde sich nicht nur legaler Mittel bedient. Von Menschen, die einen existenziellen Mangel erleiden, kann erst recht nicht erwartet werden, dass sie den Schutz der Umwelt vor die Sicherung ihrer Existenz stellen. So lange Menschen Mangel existenzieller Art leiden, werden sie die verfügbaren Ressourcen in ihrer Umgebung anzapfen – unabhängig von geltendem Recht.

Wer seine Existenz zu sichern hat, der kann keine Rücksicht auf formal-juristische Reglements nehmen. Das impliziert schon der Begriff: Existenz-Sicherung! Eine faire Gesetzgebung verlangt dies einzelnen Menschen gar nicht erst ab. Ein gerechtes System sichert die Existenz aller Bürger und schützt damit gleichzeitig den Planeten mit all seinen Ressourcen.

National? Egal!

Die demographischen Entwicklungen verlangen politisches Handeln – und zwar global!

Unsere Weltbevölkerung wächst kontinuierlich an. Während im Jahr 1900 die durchschnittliche globale Lebenserwartung noch bei rund 30 Jahren lag, lag sie nur hundert Jahre später – im Jahr 2000 – bereits bei rund 65 Jahren.

Unsere Anzahl wächst nicht – wie gerne vermutet – weil wir uns vermehren wie die Kaninchen, sondern weil wir – dank moderner Medizin – nicht länger sterben wie die Fliegen!

Vor dem Hintergrund der Alterung geburtsstarker Jahrgänge ist die Erwartung einer fairen Rente in der westlichen Welt vor allem eines: Nicht sicher! Schon heute ist Altersarmut in den reichen Industrieländern kein theoretischer Begriff mehr. Dem gegenüber werden unzählige junge schlecht ausgebildete junge Menschen in anderen Teilen der Welt stehen, die ebenfalls Ansprüche auf ein lebenswertes Dasein erheben. Der Historiker Yuval Noah Harari warnt bereits vor einer „Klasse der Nutzlosen“.

Globale Existenzsicherung

Globale Existenzsicherung ist eine Aufgabe, die – neben der Abschaffung von Leid und Not – quasi als Bonus – der Einführung weltweiten Glücks gleichkäme. Denn, wenngleich die Glücksforschung noch keine „allgemein gültige Formel des Glücks“ gefunden hat: In einem sind sich die Glücksforscher der Welt einig: Existenzsicherung ist ein wesentlicher Schlüssel zum Glück der Individuen und ein Garant für den Frieden.

Menschen, die keine existenzielle Not leiden, sind weniger bereit, Unruhen zu stiften und Krieg zu führen. Welch Chance für die Menschheit wir in den Händen halten – in einem Zeitalter, in welcher eine weltweite und gerechte Verteilung – beispielsweise via Blockchain – umsetzbar wäre!

„Blockchain kann direkte Demokratie auf einem nie denkbaren Niveau ermöglichen, mit manipulationssicheren digitalen Stimmrechten.“

Pavel Romanenko, Blockchain-Experte

Globaler Umweltschutz

Gleich, ob die Erderwärmung menschengemacht oder ein natürlicher Vorgang ist: Wir müssen – selbstverständlich global – gegensteuern: Nationale Maßnahmen sind weder nachhaltig noch global hilfreich.

„Diskussionen halten uns nur auf. So ist die Erreichung der gesetzten Ziele in Gefahr. Das alles nur, weil wir über Rechte und Pflichten der verschiedenen Länder auf dem Weg zur Rettung des Klimas lamentieren.“

Karl-Heinz Land, Autor, Utopist, Speaker und Gründer der Firma Neuland

Ob Meeresverschmutzung oder Ressourcenverknappung – In den meisten Fällen haben wir das Problem selbst geschaffen: Warum sollten wir es nicht auch mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln lösen?

Die wissenschaftlichen Ideen reichen von Milliarden Spiegeln am Himmel über Weltraumvorhänge, molekulares Eisen, welches das CO² absorbierende Phytoplankton zu fördern vermag oder künstliche Wälder, die CO² aus der Atmosphäre entfernen können.  

Geo-Engineering

So facettenreich die Vorschläge der künstlichen Beeinflussung der geo- und biochemischen Prozesse zur Rettung unseres Planeten auch sind: Eines haben sie alle gemeinsam – sie sind unglaublich aufwändig und teuer. Nur eine globale Gemeinschaft wäre in der Lage, diese umzusetzen und die Kosten zu tragen.

Dennoch – weder Politik noch Wissenschaft sind Ersatz für die dringend benötigte Veränderung des individuellen Verhaltens im Umgang miteinander und unserer Erde: Das mächtigste Werkzeug zur Rettung des Planeten ist die Veränderung des Mindsets jedes einzelnen Menschen.

Nationale Politik nach dem Motto „Tomorrow never comes”

Wenn wir in Europa mit einer „Rentenwelle“ der Babyboomer rechnen, wird es in manchen Nationen ein regelrechter Renten-Tsunami sein. Während hierzulande ganze Landstriche zunehmenden vereinsamen werden, werden in anderen Teilen der Welt die Ballungszentren voller junger Menschen sein, welche auf der Suche nach Beschäftigung und einem angemessenen Leben sind.

Mehr Menschen brauchen mehr Ressourcen

Obwohl es sich – mathematisch betrachtet – um einfache Rechnung handelt und die Entwicklung hinlänglich bekannt ist, gibt es bislang noch kein ernsthaftes politisches und globales Konzept zur Abhilfe. Ein Schelm, wer vermutet, dass dies mit den nationalen Wahlperioden der demokratischen Regierungen zusammenhängen könnte, die nicht in die Zeiten der Pensionierung der Babyboomer oder des ultimativen Klimakollapses hineinreichen. Politik wird heute vielfach nach dem Muster alter Seilschaften und dem Motto – „was interessieren mich Probleme, die nach meiner Amtszeit brennen werden?“ betrieben.

Während in der Wirtschaft schon auf den sich veränderten Markt und demographischen Wandel global reagiert wird, neue Arbeitsmodelle und Konzepte ausprobiert werden, ist nationale Politik vor allem eines: Mit sich selbst beschäftigt! Dies spiegelt sich vielerorts in der Politikverdrossenheit der Bürger wider, die sich von der Demokratie ihres Landes weder abgeholt noch beteiligt fühlen.

„Ja, es gibt sie, diese Alt-Herren-Zirkel in der Politik, die auf jahrelange Karrieren in Orts- Kreis- oder Landesverbänden zurückblicken können. Sie haben lange gewartet und hingearbeitet, wo sie heute stehen. Jetzt sind sie dran. Dann gibt es die Absprachen vor Parteitagen wer wann wie gewählt wird und jede Abweichung wird kritisch beäugt und mit Ablehnung quittiert. Und genau diese Kreise brauchen dringend eine Erfrischungskur, besser gesagt: Ein Update.“

Tijen Onaran Autorin, Speaker und Gründerin des CEO des Netzwerkes „Global Digital Woman“ in ihrem Buch „Die Netzwerkbibel“

Politik 2.0  – globales Netzwerk!

Doch die Digitalisierung und vor allem Globalisierung macht vor nationaler Politik nicht Halt. Die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen machen ein Umdenken zwingend erforderlich.

Regierungen müssen beginnen, ihren Wählern zuzuhören und mit Ihnen gemeinsam politische Ideen zu entwickeln. Hinter den gewöhnlichen Wählern stecken vielerorts Menschen mit gesellschaftlichen Visionen. Diese gilt es heute aufzugreifen und zu diskutieren, ohne örtliche Parteiverbände, professionelle Lobbyisten, PR-Kampagnen, TV-Werbung oder direkte Mailkampagnen.

Immer mehr ist eine Politik gefragt, die WEB 2.0 Tools einsetzt, um Abstimmungen zu gestalten. In einer modernen und digitalen Demokratie sind Abstimmungen über politische Entscheidungen online dort möglich, wo der Bürger sich befindet: Im Supermarkt, im Restaurant oder im Bus. Und das Spannende daran ist – das geht heute weltweit!

„Die politische Technologie des Industriezeitalters ist für die neue Zivilisation, die rund um uns herum Gestalt annimmt, nicht länger geeignet. Unsere Politiker sind altmodisch.“

Alvin Toffler, Autor von „Zukunftsschock“

Unsere Krise: Gefahr und Möglichkeit

Das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ wird aus den Zeichen „Gefahr“ und „Möglichkeit“ zusammengesetzt. Die Zukunft wird zeigen, ob wir in der Lage sind, jene großartigen Möglichkeiten, über die wir heute verfügen, zu nutzen.

Politik 2.0 sollte allen Bürgern weltweit existenzielle Sicherheit wie beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen bieten, als auch einen globalen Schutz vor Verbrechen, wie es der Cybercrime Experte Thomas-Gabriel Rüdiger fordert. Politik 2.0 setzt sich effizient und weltweit für den Schutz seiner Bürger, der Umwelt und ihrer Ressourcen ein – und das vollkommen transparent, ohne Absprachen in nationalen Hinterzimmern.

Die blaue Kuh von Dänemark spült heute Plastikmüll an den Strand. Einst wollten alle das Strandgut besitzen, heute will keiner dafür verantwortlich sein. Nur wenige Freiwillige sammeln es ein.

Wir bedienen uns an den verfügbaren Ressourcen als lebten wir auf einem Planeten mit dem Namen Jedermannsland – wenn es um Verantwortung geht aber, als sei der Name unseres Planeten – Niemandsland! Doch er ist vor allem eines – unser einzige und gemeinsame Heimat!

Wir alle sind ein und derselben Gravitation unterworfen, sehen dieselben Sterne und haben denselben Ursprung: Das sollte sich auch in einer gemeinsamen Politik widerspiegeln.

Susanne Gold

Gründerin & Herausgeberin des Zukunfts- und Wissenschaftsblogs Utopiensammlerin

Futuristin, Utopistin, Erfinderin und Sozialwissenschaftlerin. Sucht Utopien und sammelt Geschichten. Versteht Digitalisierung als Aufbruch in eine neue Welt – und träumt von einer besseren.

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