Interview mit Karl- Heinz Land

Karl-Heinz Land ist einer der alten Hasen der IT Branche. Er verfügt über 35 Jahre Erfahrung, kannte die Firma Oracle noch als Start-up und ist Gründer der Firma Neuland. Aber er ist vor allem eines – ein Utopist! Er schreibt Bücher, hält Vorträge und hat Ideen, mit denen die Welt vor dem Klimawandel zu bewahren wäre.

Anfang Dezember findet die Cop24, die 24. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien der UNFCCC statt. Die wichtigste Aufgabe dieser Konferenz ist, die Umsetzung des Pariser Abkommens sicherzustellen.

Karl-Heinz, glaubst Du, dass die Absicht des Pariser Abkommens – die Temperaturen vor Ende des Jahrhunderts deutlich unter 2 °C zu senken – überhaupt noch eingehalten werden kann. Ist das realistisch?

Das ist zu schaffen, meiner Ansicht nach. Allerdings beunruhigt mich die Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern in diesem Zusammenhang.

Warum?

Diese Diskussionen halten uns nur auf. So ist so die Erreichung der gesetzten Ziele in Gefahr. Das alles nur, weil wir über Rechte und Pflichten der verschiedenen Länder auf dem Weg zur Rettung des Klimas lamentieren.

Was ist denn dann Deine Vision, wie wir die Erderwärmung aktiv stoppen können? Hast Du eine?

Natürlich, ich bin schließlich ein Utopist! Sonst würde ich ja auch nicht in Deine Sammlung kommen, oder? Zu Deiner Welt in hundert Jahren Rubrik in Deinem Blog: Meine Utopie ist, dass wir verhindern können, dass wir die Erde in hundert Jahren verlassen müssen.

Ich glaube, dass der technologische Fortschritt uns heute alles ermöglicht. Lediglich unsere Vorstellungskraft begrenzt uns noch. Fortschritt hat uns schon viel möglich gemacht – beispielsweise wurde jetzt schon die Zahl extrem armer Menschen von 1,9 Milliarden Menschen auf 815 Millionen reduziert – wenn das nicht ein Erfolg ist, was dann?

Das stimmt! Wie aber sieht Dein Plan aus?

Zunächst muss man verstehen, dass der Klimawandel bereits stattfindet. Die  Wetterlagen, die wir in diesem Jahr hatten – Dauerregen in Italien, lange und trockene Sommer in Deutschland, ausufernde Brände in Kalifornien – all das sind Indikatoren, dass der Klimawandel kein Phänomen unserer Zukunft ist. Dieser findet schon statt. Karsten Schwanke, Meteorologe und TV- Moderator, schrieb das Vorwort für mein Buch Erde 5.0. Kürzlich sah ich ein Video von ihm, in dem er sehr anschaulich machte, wie die Wetterlagen dieses Jahres mit dem bereits stattfindenden Klimawandel zusammenhängen.

Wie willst Du vorgehen, um das Weltklima zu retten?

Wir müssen die Entwicklungsländer in die Lage versetzen, sich selbst und damit auch uns zu helfen. Sie müssen unabhängig von unserer Hilfe werden, um ihr innovatives Potential entfalten zu können. Du fragst Dich jetzt sicher, wie ich das machen will? Schauen wir nach Afrika – das Potential für Solarenergie auf diesem Kontinent ist weitestgehend ungenutzt. Mit der Desertec-II-Serie könnten wir ganz Afrika versorgen. Die freiwerdende Energie wird ermöglichen, Meerwasser im großen Stil zu entsalzen und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Mit diesen Ressourcen ausgestattet, könnte Afrika zum größten Exporteur nachhaltiger Energie werden. Leitungen, die über 3.000 Kilometer lang sind, könnten den dort von der Sonne eingefangenen Strom in die Wohnungen der westlichen Welt transportieren.

Afrika als Stromproduzent für Europa? Zieht das nicht eine Neuordnung der Welt nach sich?

Natürlich! Damit kann man nicht nur das „Global Warming“ eindämmen und die notwendige regenerative Energie erzeugen, sondern eine zuverlässige technologische Infrastruktur dort aufbauen. Der Kontinent könnte sich von innen heraus selbst modernisieren.

Afrika ist nicht gerade für politische Stabilität berühmt. – Wie sähe eine solche Modernisierung von innen heraus aus?

Grundsätzliche Probleme Afrikas, wie die wachsende Bevölkerung und Unterernährung, würden der Vergangenheit angehören. Damit wird auch in Afrika der Weg frei zu einer stabilen Gesellschaft. Mit Desertec II könnte sich die wachsende Bevölkerung selbst versorgen und wäre nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen. Das Vordringen der Wüste könnte gestoppt werden, mit dem durch die Entsalzung zusätzlich verfügbaren Wasser. Durch die dann möglichen Bepflanzungen würde es möglicherweise dort sogar beginnen, ab und zu zu regnen. Und mit dem Zugang der Menschen zu Wertschöpfung, Information und Kapital würde sich zwangsläufig politische Stabilität einstellen.

Warum sollten die Industrienationen in den Cop24 Verhandlungen bereit sein, für die Entwicklungsländer den Wandel mit zu tragen?

Die innovativen Technologien liefern Wohlstand und Kaufkraft. Die Hilfen für Afrika würden überflüssig. Mit Einwohnern, die sich trotz Bevölkerungswachstum soziologisch, ökonomisch und ökologisch prächtig entwickeln, werden wir auch die Zuwanderung aus diesen Ländern stoppen.

Mit dem Ende der korrupten Regime, Kriege und Genozide erhielten wir innovative und gleichsam zuverlässige Handelspartner.

Jetzt haben wir viel über Afrika gesprochen- aber was ist mit anderen Schwellenländern, zum Beispiel Indien oder China?

Diese Länder haben am weltweiten Wirtschaftswachstum und weltweitem Bruttoinlandsprodukt einen immer größeren Anteil. Ihr Aufstieg ist von großer Bedeutung. Sie haben Nachholbedarf in Sachen Konsum und sie sind der Grund, warum die Menschheit versucht, die Grenzen des Wachstums immer noch weiter hinaus zu schieben. Das ist ein ethisches Dilemma: Nach 200 Jahren Raubbaus an der Natur sind die Industriestaaten wohl kaum in der Position, die Entwicklungs- und Schwellenländer für ihre Wünsche nach Infrastruktur und Wohlstand in ihre Grenzen zu weisen.

Was ist Dein Vorschlag, dieses Dilemma zu lösen?

Diese Länder sind selbst Bestandteil der digitalen Revolution. Auch dort entstehen neue und digitale Infrastrukturen, welche größer und leistungsfähiger als zuvor sind, leistungsfähiger als alles, was wir aus den ersten 20 Jahren Internet kennen. Ich bin sicher, dass die Menschen in dieser neuen „Weltmaschine“, in der sie mit allem kommunizieren können und die Fähigkeiten von Mensch und Maschine verschmelzen lassen können, sich selbst optimieren können. Wir werden gemeinsam Lösungen finden, die wir heute nicht einmal erahnen.

Hier spielst Du auf die generelle Haltung der Menschen an?

Ja, die Digitalisierung ist die größte Gestaltungsaufgabe unserer Zeit. Die entscheidende Frage ist tatsächlich die Haltung der Menschen. Wie werden wir die Herausforderungen der Zukunft anpacken? Zurückhaltend – ewig verhandelnd – wie es auf bei den Klimaverhandlungen derzeit geschieht, oder zupackend und furchtlos?

Ich denke, wir müssen uns nur trauen, das Rad des Schicksals in die Hand zu nehmen!

Danke für das Interview, Karl-Heinz. Ich wünsche mir, dass Deine Utopien wahr werden!

 

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