Megatrend Minimalismus – was lehrt uns der Einsiedlerkrebs?

Yadokari ist sein Name, er ist gebürtiger Japaner und lebt gerne am Wasser. Der Einsiedlerkrebs trägt sein Häuschen immer mit sich, ist klein, effizient und flexibel.

Das macht im zu einem Symbol für die japanische Minimalismus-Bewegung, die sich auf den Weg gemacht hat, ein Megatrend der westlichen Welt zu werden. Das Phänomen des neuen Verzichts ist Teil der wachsenden Resonanzgesellschaft. Das mag wohl der Grund sein, dass der Krebs Modell stand, als das gleichnamige Tiny-House-Unternehmen ein Logo und einen Namen suchte: Yadokari!

Minimalismus heute – Renaissance der japanischen Edo Zeit?

Der japanische Minimalismus wird häufig auf den Einfluss des Zen-Buddhismus zurückgeführt. Doch bereits in der japanischen Edo Zeit vor 400 Jahren galt ein minimalistisches Leben mit einfachen Mitteln als ideal. Besonders die Samurai pflegten das minimalistische Prinzip – ganz im Gegensatz zu dem Prunk europäischer Eliten im Barock.

Im Sinne des Minimalismus wurden damals bei der Bemalung von japanischen Wandschirmen und Farbholzdrucken bewusst Stellen freigelassen, um dem Betrachter Raum zur Entfaltung seiner Gedanken zu geben. Diese freien Stellen kann man noch heute als Sinnbild für Entfaltung und Freiheit begreifen. Auch in unserer Kultur ist diese Idee nicht unbekannt.

 „Weniger ist mehr“ ist ein Sprichwort, das jeder kennt

Aber, wann leben wir dieses Motto? Meistens wollen wir mehr: Wir erfinden viele Dinge, die wir nicht brauchen und kaufen immer irgendwas. Alles ist auf Wachstum ausgerichtet. Man könnte beinahe von einem kollektiven Messi-Anfall sprechen. Wir suchen alle nach irgendwas und keiner kann genau sagen – was es eigentlich ist? Wer sind wir?

Minimalismus lehrt uns, dass wir nicht unser Job sind, und wir nicht so viel Geld brauchen, wie wir meinen. Alle können wir ein neues Leben beginnen, indem wir auf all jene Dinge verzichten, die sich ungenutzt in unseren Besitztümern befindem. Das erkennen immer mehr Menschen. Der Minimalismustrend verstärkt auch für Unternehmen die Frage nach kompatiblen Geschäftsmodellen und Bedürfnissen der postmodernen Minimalisten. Doch Minimalismus bezieht sich nicht nur auf die physische Welt, sondern auch auf die psychische.

Auch auf Beziehungen verzichten Minimalisten, die sie nach unten ziehen. So ein Einsiedlerkrebs wohnt schließlich auch alleine in seinem Tiny-House. Doch, wenn man jemanden so richtig gerne um sich hat, dann rückt man eben wieder zusammen, oder stellt seine Häuschen nebeneinander. Deshalb steht Minimalismus auch für echte menschliche Nähe und Herzenswärme, für echte Begegnungen mit authentischen Menschen.

Die Idee, einen bewussten Fokus auf das Wesentliche in unserem Leben zu setzen und uns neue Freiräume zu schaffen, um ein erfülltes Leben zu führen, erscheint wie ein Heilsversprechen vor dem Hintergrund unserer auf Wachstum ausgerichteten Konsumgesellschaft.

Mit dem ganzen Zeug, das wir Tag für Tag wegwerfen, tun wir unserem Planeten schon lange nichts Gutes mehr. Die Verpackungsindustrie stößt Unmengen CO2 aus, und am Ende schwimmt ein Gutteil der Plastikreste auf den Ozeanen herum.

Die Menschen reagieren auf die Verschwendungskultur unseres Zeitalters

Minimalismus heißt die Lösung aus unserem Dilemma. Minimalismus kann jeder praktizieren. Minimalismus bedeutet Loslassen: Loslassen von den alten Idealen des Hortens, Bewahrens und Festhaltens.

Einfach ist das sicher nicht. Loslassen müssen viele von uns erst noch lernen. Und zwar Lernen auf eine Weise, wie Yadokari und alle seine Krebs-Kollegen gehen: Zwei Schritte vor, einen zurück. Doch auch die vielen kleinen Schritte im „Krebsstyle“ können uns an ein großes Ziel führen – eine bessere Welt!

Susanne Gold

Gründerin & Herausgeberin des Zukunfts- und Wissenschaftsblogs Utopiensammlerin

Futuristin, Utopistin, Erfinderin und Sozialwissenschaftlerin. Sucht Utopien und sammelt Geschichten. Versteht Digitalisierung als Aufbruch in eine neue Welt – und träumt von einer besseren.

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