Der Robopeut meines Vertrauens – künstliche Intelligenz als Therapeut

Facebook durchsucht Videos und Beiträge mit künstlicher Intelligenz, um heraus zu finden, ob einer der User Suizid Absichten hegt.

Auslaufmodell menschlicher Therapeut?

Wenn jemand einen Selbstmord plant und Facebook dies bemerkt wird die Familie oder ein psychologischer Dienst informiert. Bald könnte selbst der beauftragte Therapeut eine künstliche Intelligenz sein.

Künstliche Intelligenz und menschliche Emotionen

Der Markt der psychotherapeutischen Chatbots wächst. Pharmafirmen und Wissenschaftler treiben mit Digitaltechnik die Automatisierung der Psychotherapie voran. Beispielsweise soll der Chatbot mit dem Namen „Woebot“ auf Facebook Nutzern  helfen, depressive Gedanken zu überwinden. Ebenfalls auf Facebook beantwortet Teenagern   der „Dr. Sommer Chatbot“ auf Facebook  Fragen zur Sexualität – ehemals die Kolumne des Jugendmagazins „Bravo“.

Die Entwicklung dieser Sorgenroboter steht noch am Anfang. Und es gibt viele Gründe, sie  voranzutreiben.

Chatbots sind anspruchslos und genügsam

Ich nenne  einen Chatbot, ein Roboter oder Programm, der oder das sich mit jeglichen Sorgen von Menschen befasst,  einen „Robopeut“.

Er hat Tag und Nacht Zeit. Immer dann, wenn Probleme groß sind und Hilfe bitter nötig, ist er da. Ein Robopeut hat keine eigenen Probleme, die in einer Sitzung lästig werden könnten. Er hat keine privaten Themen und Nöte, welche die Behandlung stören würden. Nie ist er abgelenkt durch sein eigenes Leben. Im Gegensatz zu seinem menschlichen Pendant verfügt er über keinerlei Privatleben oder Launen, welche seine Konzentration beeinträchtigen.

Der Robopeut versteht mit jedem Einsatz besser, was sein Patient braucht

Das Gedächtnis eines Robopeuten ist hervorragend! Er kann sich an jede Kleinigkeit erinnern und verdichtet dadurch sein Verständnis von den Sorgen des Patienten mit jeder Sitzung weiter.  Alles Gesagte ist jederzeit abrufbar und kann in zeitlichen Bezug zu einander gebracht werden.

Darüber hinaus ist er darauf programmiert, seinen Patienten zu verstehen. Macht ein Arzt Fehler, dann wird dies im günstigsten Fall bemerkt. Bei Therapeuten ist das selten. Wenn eine Behandlung nicht anschlägt, wird eher die Heilbarkeit des Patienten angezweifelt, als die fachliche Kompetenz des Therapeuten. Dies wurde in den 1960er Jahren eindrucksvoll mit Studien des Etikettierungsansatz belegt.

Ich behaupte, dass die Dunkelziffer der Fälle, in denen Therapeuten Schaden anrichteten, hoch ist. Spektakuläre Aufmerksamkeit erhalten lediglich die Fehldiagnosen von Psychologen und Psychiatern, aufgrund derer  Straftäter fälschlicherweise als resozialisiert entlassen werden. Wieder auf freiem Fuß hat mancher Delinquent erneut eine Straftat begangen und die positive Prognose seines Therapeuten Lügen gestraft.

Rationaler Robopeut

Ein Robopeut hat keine Emotionen oder Probleme, die er in die Behandlung trägt. Er ist vorurteilsfrei – eben weil er keine Gefühle hat.

Deshalb sehe ich besonders bei den Sozialprognosen für Straftäter  einen großen Wert von Robopeuten  Ich erwarte, dass jeder Straftäter eines Tages seine Gemütsverfassung täglich mit einer Robopeuten-App dokumentieren muss, um die Sozialprognosen der Psychologen und Psychiater zu verbessern. Und dieser urteilt – so meine Hoffnung – völlig vorurteilsfrei und rein nach den Fakten.

Auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie sehe ich für die künstliche Intelligenz großartige Einsatzmöglichkeiten.

Allgegenwärtiger Robotpeut

Der menschliche Therapeut ist teuer! Ein Robopeut hingegen passt in die Hosentasche – als Handy-App. Das macht ihn zu der nicht nur kostengünstigen und schneller verfügbaren Variante zum herkömmlichen Therapieplatz.

Sitzungen sind so günstig, dass sie sich jeder leisten kann

Die App kann einfach heruntergeladen werden – ohne die Krankenkasse zu informieren und einen Antrag auf einen Therapieplatz stellen zu müssen – nebst Wartezeit und entsprechender Notiz in der Akte der Krankenkasse.

Beinahe ist der Robopeut ist mit einer Fitness-Apps vergleichbar, die günstige Alternative zum Fitnesscenter darstellt. Nur, dass es hier um seelische Fitness geht.

Hilft die Therapie des Robotpeuten?

Alison Darcy eine klinischen Psychologin aus Stanford  hat den „Woebot“ entwickelt und an depressiven Menschen getestet. Die Ergebnisse der Studie sind überraschend positiv.

Gleichgültiges Gehirn

Dem menschlichen Gehirn ist es egal, ob sein Therapeut über menschliche oder künstliche Intelligenz verfügt. Der an diesem Thema forschende Stanford-Professor Jeff Hancock  geht von vergleichbarem Therapie-Erfolg beim Einsatz von Robopeuten aus.

Obwohl sich das Gehirn des Menschen über Millionen Jahre entwickelt hat und Chatbots eine neue Erfindung sind, zeigten Studien, dass sich das Gehirn eines Patienten genau gleich verändert, egal ob er mit einem Menschen oder einem Roboter spricht. (Jeff Hancock) 

Womit kann der menschliche Therapeut punkten?

Es gibt eine viele Argumente, sich in Zukunft von einem Robopeuten therapieren zu lassen.  In einer Sache sind sich Wissenschaft und Industrie jedoch einig:

Robopeuten sollen nicht dazu führen, dass Menschen sich voneinander entfremden.  Die Empathie eines Robopeuten kann nie echt sein – sie ist immer ein programmierter Trick.

Damit gehen echte menschliche Eigenschaften wie Vergebung, Verständnis, Empathie oder auch Mitleid verloren. Ein Straftäter würde völlig rational „abgeurteilt“ – ohne Ansehen der konkreten Person. In der forensischen Psychiatrie sind Fälle denkbar, in denen ein Mensch „gnädig“ werten würde, nicht aber ein Robopeut.

Das Mitgefühl eines menschlichen Therapeuten ist in der Regel aufrichtig und wahrhaft emotional. Bei manchen Patienten ist es  Mitgefühl des Therapeuten heilsam, was für den Therapeuten sogar zum Problem werden kann.

So paradox es klingt – es kann gerade die menschliche Nähe des Theraputen sein, die die Seele des Patienten heilt

Eben genau diese menschliche Fehlbarkeit, wie es in dem wie es in dem Roman das „die rote Couch“ berührend schön geschildert wurde.

Darum meine ich, dass ein Therapeuten-Mix von Mensch und Robopeut sinnvoll wäre: Das menschliche Mitgefühl und die rationale Intelligenz und Erinnerung des Robopeuten.

Eines wird sich ganz gewiss nicht ändern: Ein Leben ohne Sorgen gibt es nicht – auch nicht mit einem Robopeut!

 

 

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Ein Gedanke zu “Der Robopeut meines Vertrauens – künstliche Intelligenz als Therapeut

  1. Dieter Hannemann schreibt:

    Je mehr Ki-Roboter nicht mehr vom Mensch zu unterscheiden sind, desto mehr werden wir diese in allen Belangen mögen. Wer wünscht sich nicht einen Partner der über viel mehr Wissen verfügt und frei ist von Gier, Hass und Neid. 🙂

    Gefällt 1 Person

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