Die Welt steht Kopf und Zahl mit Blockchain!

von Pavel Romanenko und Susanne Gold

Blockchain wird vielfach und kontrovers diskutiert, denn sie bringt nicht weniger als das Potential für eine Revolution. Mittelsmänner, Kontrollinstanzen sowie Abwicklungsstellen aller Art könnte sie überflüssig machen. Dabei ist nichts ausgenommen: Börse, Bank, Makler, Notar und sogar Politiker. Die Liste lässt sich beliebig weiterführen.

Aber was genau ist Blockchain? Und worin liegen die Chancen, aber auch die Risiken? Fest steht: Blockchain kann unsere Wirtschaft mitsamt ihren Handelswegen revolutionieren.  Aber fangen wir von vorne an – zu einer Zeit, als es noch keine Währung gab.

Tauschhandel und Münzen

Ganz früher, als Menschen noch in kleinen Gruppen lebten, kamen sie Jahrtausende lang ohne Geld aus. Sie tauschten Waren und Dienstleistungen mit Menschen, die ihnen persönlich bekannt waren.

Erst der Austausch von Gütern und Waren über Grenzen und vertraute Lebensgemeinschaften hinweg, machte Geld als Zahlungsmittel notwendig.

Der Handel mit Fremden war unsicher – man konnte sich nicht länger darauf verlassen, dass die Gegenleistung des Tausches auch erbracht würde.

Also begann der Mensch, Waren mit barer Münze zu zahlen. Das Vertrauen, was er zuvor in seine Handelspartner hatte, galt nun der Währung. Man verlässt sich darauf, dass die Währung ihren Wert behält und der Gegenwert der Leistung erbracht wird.

Bereits in der Antike wurden Münzen notwendig, um Söldner der Armee für ihre Leistungen im Ausland zu bezahlen. Im antiken Griechenland waren Münzen mit Symbolen und Köpfen von Göttern versehen.

Münzen hatten immer auch die Funktion, Hoheits- und Machtansprüche zu kommunizieren.

Darum wurden im Römischen Reich die Bilder des herrschenden Kaisers bis in die letzte entlegene Siedlung auf Münzen transportiert.

Münzen und Geld sind Träger von einem definierten sachlichen Wert, aber auch von Botschaften. Bedenkt man das Design der Geldscheine unserer Zeit, ist Geld noch heute ein Medium der Informationsvermittlung.

Heute relativiert Blockchain Münzen und Scheine als Zahlungs- und Kommunikationsmittel.

Blockchain macht Transaktionen von einem Ende zum anderen Ende – ohne vermittelnde Institutionen und Personen – möglich. So, wie es früher im Tauschhandel üblich war.

Sicherer globaler Tauschhandel geht das?

Blockchain muss man sich als eine digitale Liste mit Einträgen vorstellen, die durch kluge Kryptographie sehr sicher gegen Manipulationen ist.

Die Datensätze werden „dezentral“ gespeichert.

Die Daten werden nicht, wie bisher, in diversen vermittelnden Institutionen zentral gespeichert: Beispielsweise Überweisungsdaten bei der Bank, Urkunden beim Notar und so weiter.

Vom Gold- zum Datenschürfer

Bei der Blockchain wird die kontinuierlich wachsende Datenkette bei sogennanten „Minern“ abgespeichert und synchronisiert. Der Begriff des Miner wurde vom Goldschürfen hergeleitet. Statt des Goldes werden hier nun aber Daten geschürft. Die Miners verdienen daran, dass die Einträge in der Blockchain überprüfen. Beispielsweise bei der Bitcoin Blockchain erhalten sie Einheiten dieser Währung als Lohn.

Mehrere Einträge werden in Blöcken organisiert und mit vorhergehenden Blöcken verknüpft. Das macht die Blockchain besonders sicher gegen Fehler und Manipulationen

Um diese Einträge zu sabotieren, müsste man in wenigen Augenblicken mehrere tausend Rechner aller beteiligten Miner auf der Welt manipulieren, was extrem aufwändig und faktisch nicht praktikabel ist. Tausende identische Kopien aller Transaktionen sind jederzeit verfügbar und beliebig nachvollziehbar.

Blockchain ist nicht gleich Bitcoin

Für viele Menschen sind Bitcoin und Blockchain ein und dasselbe. Das ist nicht so – Bitcoin ist eine spezifische Art der Blockchain. Die Blockchain-Technologie wird in unterschiedlichen dezentralen Netzwerken verwendet, welche viele Möglichkeiten für breite Anwendungen mit sich bringt.

Im Jahr der Bankenkrise tauchte unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ der Begriff der Kryptowährung Bitcoin erstmalig auf.  Am Beispiel der digitalen Währung Bitcoin kann man die Blockchain auch gut veranschaulichen.

Finanztransaktionen aller Nutzer werden in die Blockchains eingetragen. Das heißt, dort ist hinterlegt, wer wem wann und wie viele Einheiten einer Währung – z.B. Bitcoins -“überwiesen” hat.

Jede “Überweisung” wird als Eintrag für immer in dieser Liste, in der Blockchain, gespeichert und mit tausenden anderen Computern geteilt.

Bei der Blockchain liegen Daten und Informationen nicht länger an zentralem Speicherort, sondern bei den Netzwerkteilnehmern. Und genau das macht profitorientierte Zwischeninstanzen wie Banken und Mittelsleute überflüssig.

Viele Anwendungsmöglichkeiten

Nicht nur digitale Überweisungen funktionieren – auch andere Transaktionen sind möglich. Blockchain kann nicht nur Beträge speichern, sondern auch Informationen aller Art: Transportzeiten, Temperatur in der Lagerhalle, Echtheitszertifikate und vieles mehr.

Beispielsweise hat der Staat Honduras begonnen, Blockchain für seine Grundstücksregister zu nutzen, um sie vor Betrug und Fälschung zu sichern.

Ein anderes Anwendungsgebiet findet sich in der Vermögensverwaltung mit den sogenannten Kryptoassets. Ein Asset steht für einen Vermögenswert wie z.B. eine Immobilie oder Wertpapier. Wenn der Vermögenswert an eine digitale Währung gebunden wird – also an eine Kryptowährung– wird der Vermögenswert zu einem betrugssicheren Kryptoasset, welches unkompliziert erworben werden kann und schwer zu manipulieren ist. Damit könnte man auch für ein paar Euros Anteile an Hochhäusern erwerben oder zusammen mit tausenden anderen Investoren leicht nachvollziehbare Anteile an teuren Kunstwerken.

Das Sorglos Paket: „Wenn – dann“ Regeln.

Es lassen sich auch „Wenn – dann Regeln“ im Blockchain formulieren und automatisch ausführen. Beispielsweise für eine Flugbuchung, wenn der Flug als „ausgefallen” registriert und automatisch der Ticketpreis auf das Konto wieder gutgeschrieben wird. Alle Teilnehmer haben Vertrauen in dieses Computer-Protokoll, welches in der Blockchain gespeichert wird. Die Technologie dahinter heißt “Smart Contracts” und wurde vom jungen Genie Vitalik Buterin mit der Blockchain „Ethereum“eingeführt.

Neue Möglichkeiten schaffen neue Verantwortungen

Die Blockchain-Technologie kann den Austausch der Daten effizienter machen und viele neue Geschäftsmodelle ermöglichen, die in der “zentralisierten” digitalen Welt nicht denkbar waren. Die Kehrseite dieser Technologie ist, dass nun jeder Vorgang vom Teilnehmer selbst gründlich zu prüfen ist. Wer irrtümlich zu viel überwiesen hat, hat keine Bank oder Vermittlungsperson, die das revidieren könnte. Auch die Speicherung sensibler Daten in der Blockchain wäre unwiderruflich und könnte von böswilligen Staaten und Unternehmen missbraucht werden.

Deswegen ist heute wichtiger denn je, sich die Fragen zu stellen, wer über welche Daten verfügen darf, wer Geld mit den Daten verdienen soll und wo sie gespeichert werden.

Bei Blockchain geht es um viel mehr, als eine neue Währung. Es geht um eine neue Ordnung von Handel und Eigentum.

Diese Technologie bedeutet beides für die Menschen: Freiheit von vermittelnden Instanzen, die viel Geld für ihre Leistungen fordern und gleichzeitig eine große Verantwortung für eigene Transaktionen.

Es geht um Kopf und um Zahl.

 

 

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