Open Innovation – Viele Köpfe. Viele Ideen.

Lösungen für die Probleme der Welt – Öffnung der Forschung

Klimawandel, Meere voller Müll, versiegende Energiequellen, Bienensterben, Mikroschadstoffe im Trinkwasser – unsere Welt ist voller Fragen, für die wir dringend Lösungen brauchen. Die Welt ist voller Ideen und Innovationen, die nicht umgesetzt werden können, weil sie nicht bekannt oder nicht finanziert werden.

Hoffnung gibt die Öffnung immer mehr forschender Institutionen. Warum?

Öffnung ist nicht gleich Öffnung – Die Begriffe Open Source und Open Innovation werden oft synonym verwendet. Doch beide unterscheiden sich entscheidend.

Open Source oder Open Innovation: Was bedeutet denn diese „Öffnung in der Forschung“?

Open Source

Der Webbrowser Firefox, das Betriebssystem Linux und der Webserver Apache sind Open Source Software. Open Source bezieht sich dabei auf die Rechte an den Systemen. Diese sind frei – haben einen offenen Zugang für die Nutzung – für jedermann.

Open Innovation

Open Innovation hingegen macht geistiges Eigentum nicht komplett frei zugänglich. Hier ist geistiges Eigentum die Ware, die gehandelt wird. Zwar lebt die Open Innovation davon, dass Ideen außerhalb der Unternehmensgrenzen ein- und aufgefangen werden, oder eigene Ideen und Kompetenzen außerhalb der Unternehmung zur Verfügung gestellt werden – aber das Prinzip ist nicht der freie Zugang für jedermann, wie bei der Open Source.

Open Innovation bedeutet einerseits die Aufnahme fremden Wissens und andererseits die Abgabe von Wissen an andere. Bildlich gesprochen entstehen dabei durchgängige „Innovations-Pipelines“, über die geistiges Eigentum gehandelt und getauscht wird.

In der langen Evolutionsgeschichte haben sich stets diejenigen durchgesetzt, die es gelernt haben, am effektivsten zu kollaborieren und zu improvisieren. (Charles Darwin)

Das Ende der Geheimniskrämerei

Große Ideen entstehen meistens nicht durch einsames Nachdenken einer einzigen genialen Person. Große Ideen enstehen entweder auf Initiative einzelner genialer Personen, aber häufig durch Zusammenarbeit in einem Team.

Geheimniskrämerei war  oft die Folge von der Angst, Wissen zu verlieren und mit einem Produkt nicht als erstes Unternehmen auf dem Markt zu sein. Diese Angst ist in gewisser Hinsicht berechtigt, denn oft forschen verschiedene Unternehmen an ähnlichen Themen zur gleichen Zeit, wie es der englische Spruch „early bird catches the worm“ schön illustriert.

Deshalb galt Geheimniskrämerei lange als Schutz der Innovationsrendite

Bis durch das Internet nicht nur Menschen begonnen haben, sich zu verbinden. Auch forschende Institutionen tauschen sich jetzt viel mehr aus. Und es zeigt sich, dass ein derartiger Austausch Vorteile bringt .

Heute Leitidee des Innovationsmanagements – vor zehn Jahren noch unbekannt

Die systematische Öffnung des unternehmerischen Innovationsprozesses ist noch vergleichsweise jung. Wenngleich der Grundgedanke nicht neu ist und große Unternehmen schon länger mit Universitäten zusammen arbeiteten, hat die Öffnung durch das Internet einen treibenden Katalysator erhalten.

Vor rund zehn Jahren begannen erste Unternehmen damit, auch andere Firmen und Kunden neben Forschungsinstitutionen, wie Universitäten, in ganz neuer Weise in ihre Entwicklungen einzubeziehen.

Vom Wertempfänger zum Wertschöpfer – der Kunde

Dank der  Informationstechnologien können Unternehmen schon beim Zugriff auf ein zu Forschungsthema wesentlich davon profitieren, diese auch als Produktentwickler aktiv werden zu lassen.

Vorreiter für diese Bewegung waren Firmen, wie Procter & Gamble, Siemens, Xerox und Philips.

Ein- und Auslizensieren – Reger Austausch

Neben der Elektronikindustrie sind vor allem auch Pharmaunternehmen daran beteiligt, Patente zu handeln. Dabei wird benötigtes geistiges Eigentum gekauft, man spricht auch von „einlizensiert“ oder auch verkauft.

Im Gegenzug werden sie, wenn sie von der Firma selbst nicht verwendet werden können, auch wieder „auslizensiert“. In diesem Fall können Interessenten Patente erwerben, die sie für ihre Unternehmungen nutzen wollen.

Vorsicht und Vorteile

Durch „Open Innovation“ wird das Spektrum an Wissen breiter. Es ermöglicht Unternehmen, Wissen anderer Forschungsinstitutionen zu integrieren und Wissen, welches nicht gebraucht wird, an andere wieder abzugeben.

Der Wert dieses Austausches liegt auf der Hand: Forschung und Entwicklung wird durch Kooperation besser – gute Ideen können schneller auf den Markt kommen, statt in den Schubladen der Patentabteilungen auf ihre Vermarktung zu warten.

Wendepunkt Kommunikation

Für Unternehmen ist eine der großen Herausforderungen zu entscheiden, welche Entwicklungen sie öffnen wollen und welche nicht. Ebenfalls kann es für manche Aufgaben der Forschung  sinnvoll sein, externe Forscher einzubeziehen, für andere wiederum nicht.

Es ist folglich immer zunächst die Frage zu beantworten, wie und womit externe Forscher beitragen könnten. Dies bedeutet für Unternehmen, sich – dank Internet heute global – gut mit dem State of the Art externer Forschungsinstitutionen auskennen zu müssen. Nicht ausschließlich der Konkurrenz sondern der Kooperation halber: Wie sonst sollten sie in Erfahrung bringen, woran andere forschen?

Während sie versuchen, zu verstehen, ob sie eine ihrer Fragestellungen aus dem Kontext herausgelöst an ein anderes Unternehmen abgeben können, wird besprochen, woran jeder gerade forscht. Es werden Ziele und Erwartungen diskutiert.

Gemeinschaft entsteht durch Kommunikation

Da die Frage, ob eine Entwicklungspartnerschaft sinnvoll ist, ständig neu beantwortet werden muss, reißt auch der kommunikative Austausch nicht ab. Auch wenn das Tauschen von Patenten im Grunde nicht mehr als der aktive Handel mit Wissen ist, beflügelt er den kommunikativen Austausch über Ziele und Inhalte der Forschung.

An den Tischen sitzen Menschen

Meine Erfahrung ist,  dass unter Forschern die Dichte an Idealisten hoch ist. Tauschen sich nun diese Idealisten auf der Suche nach handelbarem Wissen aus, dann kann es nur vorteilhaft für die Entwicklung einer Gesellschaft insgesamt sein.

Vor dem Hintergrund der Vielzahl kleiner Unternehmungen mit hohem innovativem Potential gehe ich davon aus, dass die Reise in die Welt der gemeinsamen Innovationen erst begonnen hat.

Wenn hier auch jene Projekte realisiert werden, die unsere drängenden Probleme lösen können, dann wird es  eine Reise, bei der wir alle gewinnen.

Nur gemeinsam können viele kreative Köpfe viele kreative Lösungen entwickeln, für unsere vielen Probleme.

 

 

 

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