Die Realität, die wir kennen

Was ist Wahrheit?

Die Frage ist so alt wie die Menschheit selbst. Woher wissen wir, ob wir sind und – was wahr ist? Wie ist menschliches Erkennen möglich? Vielfach wurde versucht, diese Frage zu beantworten und aus ihr ging die Erkenntnistheorie – die Mutter aller Theorien – hervor.

Was ist Wissen? Oder wie soll ein Geist, der begreift, wissen, was er begreift?

Erich Kasten, Psychotherapeut und Professor, erklärte unser Problem – sicher zu sein, dass das was wir wissen, auch wirklich wahr ist –  an den Farben, die wir sehen.

Die Realität ist nur eine Interpretation des Gehirns. Nehmen wir als Beispiel die Farbe Rot. Eigentlich sind es die Hirnzellen, die ein Wirrwarr von Lichtstrahlen so ordnen, dass wir uns orientieren können. Rot ist eine Erfindung des Hirns, das Wellenlängen als Farbe deutet…… Optische Täuschungen beweisen, wie sehr das Gehirn mogelt: In dem Versuch, Ordnung zu schaffen, sehen wir Dinge, die so gar nicht da sind….Wie sehr Realität eine Frage subjektiver Interpretationen ist, zeigen auch Träume und Halluzinationen, die man oft als echt erlebt.

Die Frage, was wahr ist – ist so ungeklärt wie die Frage, warum es uns gibt

Das hindert uns nicht, unsere Unkenntnis in die digitale Welt zu tragen.

Noch vor dem 21. Jahrhundert wird unsere Welt mit der künstlichen Welt verschmelzen, so die These von dem Physiker Michio Kaku. Es wird keinen Unterschied geben, zwischen der alten und der neuen – digitalen – Realität.

Die Verschmelzung der echten und digitalen Welt nimmt Anlauf –  in den sozialen Netzwerken

Gleich ob Facebook, Twitter, LinkedIn oder andere soziale Netzwerke –  immer neue Blüten treiben: Wir freunden uns mit Menschen an oder treffen alte Freunde wieder – wie es zum Bespiel bei Stayfriends üblich ist – ohne ihnen tatsächlich zu begegnen.

Viele Menschen fühlen sich mittlerweile ihren Freunden aus sozialen Netzwerken näher, als ihren Nachbarn.

Immer öfter sind diese „digitalen“ Beziehungen erfüllender, als in der realen Welt

Zwischenmenschliche Beziehungen, Familienbande, Geschäftskontakte und sogar die Anbahnungen von Partnerschaften – unser soziales Verhalten ist zum großen Teil bereits digitalisiert.

Noch haben wir einen realen Ort, an dem wir in die digitale Welt „einsteigen“

Smartphone, Tablet, Computer – sie sind der „point of access“ – die uns in die digitale Welt  bringen.

Diesen „Umsteigebahnhof“ zwischen den Welten wird es in Zukunft nicht mehr geben. Obwohl die herausnehmbare Kontaktlinse von Google noch gar nicht genutzt wird, ist sie bereits überholt. Der „point of acess“ wird künftig in unserem Körper selbst sein.

Neurologen wollen herausfinden, wo im Gehirn Platz für den „point of access“ ist

Die Forscher untersuchen, wie wir das Gehirn verändern können, um Schnittstellen mit Computern anzubringen. Nicht nur das – irgendwann sollen Teile unseres Gehirns durch Computer ersetzt werden, geht es nach den Brain – Computer – Interface – Studien.

Der Mensch in die Technik und die Technik in den Menschen

Die Technik wird unsere Körper ständig optimieren, am Ende wird ein völlig anderer Mensch hervor gebracht worden sein, wie ihn der Historiker Harari in Homo Deus eindringlich beschreibt. Unternehmen wie Digitwell und ihre Produkte dürfen wohl als Beweis für die Richtigkeit von Hararis Thesen verstanden werden.

Forscher versuchen, künstliche Intelligenz dem Menschen gleich zu machen. Dabei wird von abstrakten Gedanken ausgegangen, die in digitale Nullen und Einsen übersetzt werden.

Doch auch von der anderen Seite aus wird versucht, die künstliche Intelligenz zu verbessern und mit dem Menschen zu verbinden: Mit der sogenannten „Whole Brain Emulation“ versuchen Forscher, das menschliche Gehirn nachzuahmen. Dabei sollen die elektrischen und chemischen Prozesse unserer Nervenzellen möglichst genau imitiert werden.

Wir versuchen zu duplizieren, was wir gar nicht kennen – unser Gehirn

Bei der „Whole Brain Emulation“  ist es nicht nötig, die genauen Funktionsweisen des Gehirns zu kennen. Als Vorteil dieser Forschung gilt es, dass wir die Funktionen nicht vollkommen verstehen müssen. Es reicht, sie präzise nachzubilden.

Irgendwann wird die Grenze zwischen „echt“ und „künstlich“ bedeutungslos sein

Wir werden das Internet allein durch unsere Gedanken betreten – unklar, ob unsere eigenen oder künstliche – ohne dass wir dafür ein Ladegerät benötigen oder einen externen „point of access“

Das Internet wird nicht länger etwas sein, was wir als Websites oder Service wahrnehmen, sondern wird Teil unserer Realität – ja, wir werden das Internet selbst sein, so die Prognose von Kaku in seinem Buch „Physics of the Future“

Wir werden uns auflösen, ohne uns je gekannt zu haben

Sieht man auf die Forschung heute, könnte es in Zukunft durchaus Realität sein, dass wir unser Bewusstsein auf ein digitales Medium übertragen. Bei einem solchen „Hochladen unseres Gehirns“ würden wir unseren menschlichen Körper zurücklassen. Ein Ära der Unsterblichkeit erreichte dann die Geschichte der Menschheit – von der wir nicht einmal wissen, warum es sie gibt.

Wissenschaftsautor und Physiker Ulrich Eberl geht davon aus, dass die Superintelligenz noch in das Reich der SciFi gehört. Ich hoffe, wir sind uns zumindest über unsere ethischen Ansprüche im Klaren – die wir mitnehmen, wenn es soweit ist.

Ich atme. Ich werde sterben. Werden das die Menschen nach mir auch noch tun?

Ich weiß nicht, warum ich atme oder bin. Werden es die Menschen nach mir wissen?

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Die Realität, die wir kennen

  1. nicohaupt schreibt:

    Hallo, habe den Blog eben auf Facebook entdeckt und bin begeistert. Ich selbst sah als Kind den Film Bladerunner und bin seit dem begeisterter und erschrockener Futur-Freund (mittlerweile Gegenwartsskeptiker).
    Ich werde hier gerne öfter vorbeischauen.

    LG Nico

    Gefällt 1 Person

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