Schlimmer als gedacht! Was Truthähne mit Fukushima gemeinsam haben

Für den Wissenschaftler Nicholas Naassim Taleb ist die Idee, die Zukunft zu prognostizieren, irrsinnig. Wir haben ein „Truthahn-Problem“

Von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen, weil wir es nicht anders können

So wie auch muntere Truthähne es tun würden, die fröhlich auf ihrer Farm vor sich hin gackern. Würde man diese fragen, welche Prognosen sie für die Zukunft haben, würde die Putengesellschaft diese selbstverständlich ganz rosig sehen. Warum würde das Federvieh so über kommenden Zeiten denken? Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vergangenheit!

Bisher wurden sie vom Farmer bestens versorgt. Er hat jeden Tag Mahlzeiten vorbei gebracht, einen hübschen warmen Stall zur Verfügung gestellt und immer dafür gesorgt, dass es ihnen an nichts fehlt.

An ein Thanksgiving erinnern sich die Truthähne – natürlich – nicht. Niemand von ihnen käme auf die Idee, die eigene Stopfung und Schlachtung voraus zu ahnen.

Die Puten illustrieren für Taleb das markante Problem unseres vorherrschenden Denkmodelles

Unternehmen, Institute, Zeitungen, Strategen, Finanzberater, Schulen und Behörden – sie alle gehen wie selbstverständlich davon aus, dass die Zukunft vorhersehbar sei.

Ganze Berufszweige, wie zum Beispiel Unternehmensberater oder Risikomanager leben sogar von dieser Annahme. Ihre Prognosen machen sie auf der Grundlage der Wiedergabe der Vergangenheit.

Kein belastbarer Datensatz

Prognosen auf Basis der Erfahrungen in der Vergangenheit können zu unangenehmen Konsequenzen führen, weil vergangene Ereignisse nicht als Maßstab für die Zukunft geltend gemacht werden können.

Knapp gesagt – die Zukunft kann alles – was bisher geschah – noch überbieten. Sie hält sich weder an Worst-Case-Szenarien noch an Best-Case-Szenarien aus der Vergangenheit.

Wären Prognosen möglich, hätte es keinen Reaktorunfall gegeben

Für den Wissenschaftler sind Ereignisse, wie der Reaktorunfall in Fukushima der Beleg für seine These – nämlich dass die Zukunft weder berechenbar noch planbar ist.

Fukushima wurde auf Grundlage der vergangenen Erfahrungen gebaut. Diese Erfahrung war das heftigste Erdbeben, dass Japan je erlebte. Solch eines hätte Fukushima ausgehalten. Das haben die Konstrukteure kalkuliert.

Die Zukunft brachte 2011 aber heftigere Erschütterungen und Beben. So kam es zur Zerstörung des Reaktors 2011.

Wir Menschen können Ereignisse ebenso wenig prognostizieren, wie die Puten Thanksgiving, sagt Taleb.

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