Die Welt in hundert Jahren – der ehrgeizige Bürger

Von Marten Steppart

Feierabend

Nach meiner Arbeit gehe ich gerne in den Wildtier-Park am Wald und beobachte die Wild-Fütterung. Ich mag die Schnittstellen, an denen sich die Zivilisation und die Wildnis treffen. Als Software-Entwickler brauche ich auch den Ausgleich in der Natur.

Ich freue mich über die gesellschaftliche Errungenschaft, dass man heutzutage seinen Job mit seinen persönlichen Interessen und Tätigkeiten kombiniert. So tut jeder, was er gut kann für das, was ihn interessiert.

 Ich beobachte, wie der Mähroboter über das grüne Gras saust und sich an der Futterstelle entlädt

Der Sammel-Roboter für Trockenfutter liefert fast zeitgleich seine Ladung gesammelter Eicheln, Bucheckern und Kastanien ab. Der Sammler für Saftfutter lässt mit seinen Rüben und dem Kohl ein wenig auf sich warten. Ich werde überprüfen, ob das regelmäßig passiert oder nur eine sporadisch auftretende Schwankung ist.

Die Drohne beobachtet das Wild in der Umgebung und errechnet, wann der Zeitpunkt für eine Fütterung am sinnvollsten ist. Dann senden sie die Daten an die Sammel-Roboter, die dadurch genau zur rechten Zeit ihre Arbeit tun können.

 Dann sehe ich auch schon die Rehe, wie sie sich scheu und zögerlich der Futterstelle nähern

Jeden Tag wieder diese Scheu, das fasziniert mich. Aber schließlich bedienen sie sich wie immer dankbar an dem reichhaltigen Angebot.

Ein harmonisches Zusammenarbeiten von Natur und Technik. Genau das liebe ich an meiner Arbeit.

Ich gehe zur nächsten Transport-Station und steige in die Reise-Kapsel

Nachdem ich den Code für meinen Wohnblock eingegeben habe, schließt sich die Kapsel. Ich verabschiede mich innerlich vom Park und von dem Wild. Dann saust die Kapsel unter die Erde und bringt mich unterirdisch innerhalb von einer Minute zu meinem Wohnblock. Ich steige aus.

Heute Abend wird es wieder eine Abstimmung in meiner Stadt geben.

Es wird darüber entschieden werden, ob es auch einmal wöchentlich tagsüber regnen soll

Ich würde das sehr begrüßen. Ich habe noch nie Regen gesehen, geschweige denn gespürt.  Aber ich darf nicht wählen. Das möchte ich ändern. Zum Glück verdiene ich gut. Ich gehe zu meiner Schlaf-Kapsel. Das Jura-Grundlagen-Modul ist bereits im Update-Speicher. Der Upload für das Modul „Jura für Künstliche Intelligenz“ ist fast abgeschlossen.

Ich schließe meine Schlaf-Kapsel und verbinde mich mit der Energieversorgung und der Informationsübertragung

Morgen früh werde ich als ein Anwalts-Droide aufwachen und den Kampf aufnehmen gegen die Vorurteile, welche die Menschen immer noch gegen uns hegen.

Ich kann es auch verstehen. Ich kenne die vielen alten Filme, in denen wir Droiden das Böse verkörpern, das man auf uns projiziert hat.

Ich schlafe ein und träume von Regen. Fühlt er sich wirklich so an?

Ein Gedanke zu „Die Welt in hundert Jahren – der ehrgeizige Bürger

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