Unsere abstrakte Verantwortung für den Krieg von morgen

Dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Dynamik widersprechen, ist nicht erst seit dem Bericht des Club of Rome bekannt. Schon Thomas Malthus beschrieb bereits Ende des 18. Jahrhunderts einen Widerspruch zwischen Wirtschafts-, Bevölkerungswachstum und Ressourcenverfügbarkeit.

Wir leben schon lange dreist über unsere Verhältnisse

Der Energiehunger der Welt stieg seit der Jahrtausendwende weiter schwindelerregend an. Erdgas und Erdöl verbrauchen wir in raschem Tempo. Wir leben, als würde es ein Morgen nicht mehr geben. Es scheint, als kursieren lediglich Lippenbekenntnisse und es werden Begriffe wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Umweltschutz geradezu inflationär verwendet. Immer noch entstehen neue Kohlekraftwerke, die tonnenweise CO2 in die Umwelt blasen. Die Emissionen verschärfen den Klimawandel, die größte Herausforderung unserer Zeit.

2017 war der Klimawandel in aller Munde. Beinahe alle Staaten der Welt erklärten sich mit dem Pariser Abkommen bereit, die Erderwärmung zu bremsen. Dann der Schock: Ausgerechnet die USA zieht sich unter Präsident Trump aus dem Abkommen zurück. Wie wird sich dieser Streit weiter entwickeln?

Die größte Organisation, die den Klimawandel anerkennt und beschlossen hat, etwas dagegen zu unternehmen, sind die Vereinten Nationen. In diesem Dezember findet die COP24 statt, um sich erneut zur Lage des Klimas zu beraten.

Aber, wer sind diese Leute, die sich dort besprechen? Die UN ist eine politische Organisation, die sich, außer dem Klima, zur Aufgabe gemacht hat, den Frieden zu sichern und den Handel zwischen den einzelnen Ländern zu fördern. Wie wir nun wissen, geraten Klimaschutz und eine dynamische Wirtschaft nicht selten in einen Zielkonflikt.

Es scheint, als würden manche der Mitgliedstaaten ihre jeweilige unilaterale wirtschaftliche Mission deutlich ernster nehmen, als die Mission des gemeinsamen Klimaschutzes.

Das sah in der Geschichte schon anders aus: Gemeinsam arbeiteten die Mitglieder der UN verschiedene Verträge aus, die eine globale und internationale Zusammenarbeit ermöglichen und sicherstellen sollten. Sie gründeten und finanzierten beispielsweise die Welthandelsorganisation WTO. Die Aufgabe der WTO ist es, internationale Märkte von Zöllen zu befreien und den Verkehr von Gütern und Dienstleistungen zu vereinfachen. Ein anderer Vertrag der UN ist das Kyoto-Protokoll. Darin verpflichteten sich die Länder bereits 1997 den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Aber, es sieht so aus, als würden Reglements für den Klimaschutz allzu oft zugunsten von Verträgen für einen dynamischen Wirtschaftswachstum gebrochen. Dies ist nicht nur in der UN der Fall, sondern ein Muster, welches bei allen politischen Organisationen zu beobachten ist.

Dramatische Konflikte in Sicht

Der Klimawandel wird, wenn nicht eine massive Abkehr vom Wachstumsgedanken der dynamischen Wirtschaft erfolgt, schon in naher Zukunft zu dramatischen Konflikten führen. Wenn ganze Länder im Meer versinken und der Kampf um die letzten verbleibenden Ressourcen entfesselt sein wird, dann geht es in den darauffolgenden Kriegen um das nackte Überleben der Menschen. Wir müssen die Globalisierung unter Kontrolle bekommen – und das eben nicht, in dem wir uns lediglich auf Abkommen von Staaten verlassen. Eine gründliche Portion Misstrauen in die Handlungskraft dieser Abkommen ist angebracht: Schon jetzt wurde publiziert, dass die Länder nicht auf dem richtigen Weg sind, um das Ziel der Pariser Vereinbarung zu erreichen.

Während sich die klimatische Situation unseres Heimatplaneten verschärft, sind die Vertragspartner der Vereinten Nationen damit beschäftigt, beispielsweise darüber zu verhandeln, ob in der Umsetzung der Ziele von Paris eine Unterscheidung von Industrie- und Entwicklungsländern gemacht werden soll. Besonders die reichen Nationen fürchten offenbar, für ärmere die Zeche mit zu begleichen. Es steht zu befürchten, dass das Pariser Abkommen nicht greift.

Die Verantwortung für unsere klimatische Zukunft den vereinten Nationen zu überlassen, ist in etwa so wie auf der Titanic zu hoffen, dass der Kapitän doch noch verhindern kann, dass sie untergehen wird.

Klimaschutz ist ein abstraktes Thema und doch muss jeder einzelne von uns sich dafür verantwortlich fühlen! Aber leider ist unsere Gesellschaft einem völlig wildgewordenen Wachstumswahn verfallen.

Besonders in Deutschland soll alles wachsen. Es reicht nicht, wenn es stabil bleibt – nein, das Motto ist höher, schneller und weiter. Egal, ob Export, Wirtschaft, Zahl der Beschäftigten, Aktienkure und vieles mehr – alles soll immer mehr werden. Dabei verbrauchen wir – vollkommen unnötig – eine Menge an Ressourcen. Und um das alles bezahlen zu können, verbringen viele Menschen Zeit in einem stressigen Job, den sie oft sogar überhaupt nicht mögen, und verpassen ihre wahre Lebenszeit.

Wir brauchen eine digitale Weltgemeinschaft und das Bewusstsein jedes einzelnen Bürgers dieser Erde, um unser aller Problem in den Griff zu bekommen. Nur so können wir die Treiber der dynamischen Wirtschaft in ihre Grenzen weisen.

Internationale Probleme, wie ungerechte Handelsbeziehungen, Bevölkerungswachstum und Klimakatastrophen dürfen nicht länger auf nationaler Ebene gelöst werden. Jeder Mensch muss sich mit seinen Mitmenschen verbinden und die Macht seiner Kaufkraft nutzen, um einer Bewegung für den Klimaschutz anzugehören. Denn nur, wenn wir es schaffen, das Ziel des Pariser Abkommens umzusetzen, und die Erderwärmung zu begrenzen, können wir einen verbitterten Kriegszustand um die letzten verbleibenden Ressourcen, wie Wasser und fruchtbaren Boden, verhindern.

Doch – Wie ist es zu schaffen, dass sich auch Individuen global für das Klima verantwortlich fühlen? Wie schaffen, dass jeder sich zu seiner Verantwortung bekennt? Dabei geht es um nicht weniger, als den Krieg um die Ressourcen von Morgen zu verhindern.

 

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5 Gedanken zu „Unsere abstrakte Verantwortung für den Krieg von morgen

  1. lyriost sagt:

    Du siehst das vollkommen richtig, aber es wird sich selbst dann nichts Grundlegendes ändern, wenn bereits fast alle Keller unter Wasser stehen. Baumhäusern darf man allerdings eine große Zukunft voraussagen. Das ist eine Systemfrage, und dieses System wird erst dann zerbrechen, wenn die Profiteure nicht mehr von ihm profitieren können. Hoffnung in den einzelnen habe ich im Gegensatz zu dir nicht, denn die meisten Leute sind so verblendet in ihrem Konsumtaumel, daß sie erst zur Besinnung kommen werden, wenn es zu spät ist.

    • Dieter Hannemann sagt:

      Immer mehr haben, das fängt doch bei jedem Einzelnen an = brauche ich das wirklich, bin ich glücklicher wenn ich das habe? Mit zunehmenden Alter machen die Kinder die Erfahrung, dass mehr Güter nur eine Leere in uns hervorrufen. Haben vor 20 Jahren noch fast alle mit 18 den Führerschein gemacht und den Wunsch nach eigenem Auto, sind es heute nicht mal 50%!

      Weniger ist mehr und dafür mehr Freiheit – mit 18 ein mal mit Rucksack und wenig Geld für ein Jahr um die Welt. Immer mehr machen lieber das und so werden Vorurteile überwunden und entdeckt: Nicht Materielle Güter, sondern freie selbstbestimmte Lebenszeit ist der echte Luxus!

  2. ak_fortschritt sagt:

    Wir stehen vor enormen ökologischen Herausforderungen, insbesondere der Frage des Klimawandels, auf die der Kapitalismus keinerlei Antwort geben kann -das Pariser Abkommen dazu ist nichts anderes als das Sand in die Augen naiver Menschen gestreut wurde- sowie wissenschaftlicher Fortschritt und technologische Innovationen, die rigoros den Forderungen nach finanzieller Rentabilität, die für die Monopole jederzeit gesichert sein muß, unterworfen werden.

    Der Begriff „Globalisierung“ verbirgt die wesentliche Realität: die verwirklichung einer Strategie, die von den Imperialistischen Mächten entwickelt wurden. Sie verfolgen das Ziel, die natürlichen Ressourcen des Südens zu plündern und dies durch Ausbeutung von dessen Arbeitskräften zu gewährleisten. Diese Mächte versuchen, ihr „historisches Privileg“ zu bewahren und allen anderen Nationen zu verbieten, ihren für sie in diesem Spiel vorgesehenen Status zu verlassen.

    Der Austritt aus der systemischen Krise, dem Kapitalismus, ist nötig, nicht der Versuch, einen Ausweg aus dieser Krise des Kapitalismus zu finden. Das ist nicht möglich.

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