Rom – Die Welt in hundert Jahren

Von Aenne Barnard

Ich war schon mal in Rom

Also ich meine wirklich, mit stundenlanger Reisezeit, Staub an den Schuhen und Übernachtung im Hotel. Eine dumme Idee, denn in Rom liegen nur tote alte Steine. Das Kolosseum, ein Ort für große Veranstaltungen und Spaß für das Volk, nur noch ein Bild des Zerfalls aus bröckelndem Granit, zerbrochenen Säulen und schiefgelaufenen Treppen. Dabei liebe ich Reisen – mit Virtu-Trav, schnell authentisch und echter als echt. Um Cap Horn bin ich schon gesegelt, habe den Kilimanjaro bestiegen und in der Antarktis Pinguine beobachtet.

Heute geht es nach Rom, mit Virtu-Trav

Der Virtu-Trav-Viewer kommt auf die Augen, wirklich ein schickes Teil, wenn man bedenkt, wie bescheuert die VR-Brillen aus dem vergangenen Jahrhundert noch ausgesehen haben. Die Akustik-surround-as-around-Komponente stimmt mich mit sanften Klängen bereits auf das Jahr 80 n. Christus ein. Noch schnell die Real-haptics-gloves auf den Fingern glattstreichen, und schon bin ich da: Das ist Rom, das echte Rom!

Ich sitze im Kolosseum, und fühle die sonnenwarmen Steine der Sitzflächen

Das riesige Theater ist unbeschadet und voller Menschen. Römer in Sonntagstoga sitzen um mich herum, lachen, reden, essen und freuen sich auf einen Kampf, der gleich beginnen wird. Unweit zur Linken steht der Kaiser. Unübersehbar leuchtet der rote Streifen seiner Herrscher-Toga, deutlich zu sehen auch das Label einer bekannten Bekleidungsfirma. Ok, die Werbung ist manchmal schon blöd bei Virtu-Trav. Dass Pinguine Steckerleis und Fischstäbchen essen, habe ich schließlich auch nicht geglaubt, aber irgendwie muss halt alles bezahlt werden, da kommt es auf paar Ungenauigkeiten nicht an, oder?

Jetzt betreten zwei Gladiatoren die staubige Arena

Sie halten sich aufrecht, aber in ihren Augen steht Angst, brüllende Angst. Sie drehen sich zum Kaiser und rufen: „Ave Caesar, morituri te salutant“. „Hä?“, frage ich verdutzt. „Sei gegrüßt Kaiser, die Todgeweihten grüßen dich“, erscheint vor meinen Augen. Virtu-Trav ist echt super.

Es wird still, alle starren auf ein kleines Tor, hinter dem es rumpelt

Die Gladiatoren schauen zu Boden, der Kaiser gibt ein Zeichen, eine Trompetenfanfare erklingt und das Tor öffnet sich. Heraus stürzt ein offensichtlich gereizter Ziegenbock.

Ein Ziegenbock? Ja bin ich denn auf einer Rom-Reise für Kinder?

Entnervt nehme ich den Virtu-Trav-Viewer ab. So ein Quatsch! Ich stehe auf und gehe auf den Balkon. Draußen weht ein leichter Wind mir ein Blütenblatt in die Hand.

Vielleicht ist Frühling, ich weiß es nicht genau. Nachdenklich betrachte ich das Blatt. Es ist rosa und etwa so groß wie mein kleinster Fingernagel, an der Seite hat es einen braunen Fleck. „Real und nicht perfekt“, murmele ich und lasse es angeekelt fallen.

2 Gedanken zu „Rom – Die Welt in hundert Jahren

  1. Dieter Hannemann sagt:

    Fast alles real, bis man entdeckt hat, dass wir in einer perfekten Computer-Simulation leben. Das sitzen Schüler im Fach: Experimentelle Schöpfung einer uns unvorstellbaren vierdimensionalen hochentwickelten Welt.
    Schüler machen bekanntlich Fehler und was war das für ein Schock als wir diesen erkannten.

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