Kann Raumfahrt wirklich begeistern? (9/52)

Ilustration von Susanne Gold/ Text von Ted Ganten

Sich die Erde als Raumschiff vorzustellen, hilft die Sicht auf existierende Regelsysteme zu hinterfragen. Raumfahrt als Ziel der Menschheit hat Potential zu gemeinsamen Handeln zu animieren und den Planeten zu schützen. Kann ein so fernes Ziel wirklich begeistern? Und was passiert, wenn wir es wirklich täten?

Begeisterung ohne Grenzen

Natürlich geht es nicht um das Ziel jedes einzelnen Menschen und die Besiedelung des Weltalls soll auch nicht die inneren Ziele wie Glück, Erlösung, Seligkeit ersetzen oder relativieren. Nicht jede*r wird direkt oder indirekt an einem Weltraumprogramm mitwirken. Sie mögen auch einwenden, dass ein solches Ziel überhaupt nicht das Potential hat, jede*n zu erreichen. Das stimmt sicherlich. Wer täglich ums Überleben kämpft, den dürften solche Themen nicht wirklich bewegen. Es müssen aber auch nicht alle motiviert werden. Immerhin hat die Mondlandung 1969 soviel Aufmerksamkeit erregt, dass meine Eltern noch heute davon sprechen. Die Starts der Spaceshuttles wurden jahrelang live übertragen und schafften es international in die Schlagzeilen. Die Landung der ersten ferngesteuerten Roboter auf dem Mars wurden weltweit intensiv diskutiert und zur Kenntnis genommen. Die Neue Space-X Rakete, die zum ersten Mal nach vielen Jahren mit amerikanischer Technologie Astronauten auf die Internationale Weltraumstation brachte, war in aller Munde. Wer aufmerksam die Zeitungen liest, wird immer wieder Meldungen der europäischen, russischen, amerikanischen und chinesischen Weltraumbehörden und -Programme lesen. Hat die Besiedelung des Weltalls das Potential, Medien und damit die Weltöffentlichkeit zu faszinieren? Ich würde sagen: Ja. Es hat es schon bewiesen, obwohl es sich nur um nationale Initiativen handelte.

Grenzenloses Miteinander

Lassen Sie uns mal unterstellen, ein Großteil der Menschheit ließe sich für das Ziel der Besiedlung des Weltraumes begeistern. Ein einzelner Staat oder ein Konzern alleine vermag die Leistung, dieses Ziel zu erreichen, nicht zu bringen. Wir müssten das gemeinsam verfolgen. Das Gemeinschaftsgefühl würde zusätzlich dadurch verstärkt, dass es dann gedanklich und irgendwann vielleicht real wieder die „Anderen“ nicht mit Blick auf andere Nationalstaaten, sondern auf andere Himmelskörper gibt. Menschen, die nicht auf dem Planeten Terra leben. Wir werden uns damit beschäftigen müssen, dass es ein konstruktives Zusammenspiel mit den Anderen gibt – aber zunächst wird über einen langen Zeitraum ein hilfreiches „Wir-Gefühl“ in den Menschen auf unserem Planeten Erde verankert. Auch bringt ein so gewaltiges Ziel es mit sich, dass wir wieder anfangen müssen in längeren Zeiträumen zu denken. Weg von meinem Paycheck in diesem Monat und meiner Steuererklärung dieses Jahr, weg von der Wahl im übernächsten Jahr hin zu einem Blick über Jahrzehnte.

Nach all dem Drumherum und Hin und Her, gehen wir nächste Woche ans Herz der neuen Idee: Dem Terraismus. Eine neue Ethik für den Planeten.

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