Eine zarte Hand brachte den Tod. Dann war sie nie wieder einsam

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Es begann mit
einem Traum.

Sie war oft
erschöpft, während dieser Zeit. Seit Edith die Diagnose erhalten hatte, dass
sie Krebs hat, brauchte sie viel Schlaf. In Ihrer Familie herrschte ohnehin
Erschöpfung, denn auch ihr Cousin war schwer krank. Er lag im Koma im
Krankenhaus.

Während eines
Mittagsschlafs träumte sie jenen Traum, der in ihr bis heute nachhallt: Sie war
– zusammen mit anderen Jugendlichen – in einer Tiefgarage. In diesem Traum war
sie Teil einer kriminellen Bande und hatte Angst vor der Polizei. Die
Mitglieder der Gang flüchteten. Die Polizei folgte ihnen. Alle hetzten panisch weiter,
in dieser wilden Verfolgungsjagd.

Gerade wollte
Edith mit der Gang weiter rennen, schweifte ihr Blick nach oben. Dort erfassten
ihre Augen eine helle zarte Hand, welche sich ihr entgegen zu strecken schien.
Sie überlegte, ob sie weiter eilen soll – oder die Hand ergreifen. Zu
verlockend und tröstend wirkte diese Hand – wie die eines Engels. Also ergriff
sie diese. Die Hand zog sie sanft nach oben, auf ein anderes Deck des
Parkhauses – in Sicherheit.

Oben
angelangt konnte sie einen Blick auf die gesamte Gestalt werfen, die Edith bis
heute nicht beschreiben kann. Eine wundervolle und tröstende Stimmung umgab sie
– ein tiefer Frieden. Dankbar begann sie zu weinen und erwachte. Wach fasste
sie sich in ihr Gesicht – es war nass von den Tränen. So gerne hätte sich bedankt
und konnte es nicht. Wie sollte sie sich für ihre Rettung bei einer
Traumgestalt bedanken?

Das ließ sie
nicht los.

Dieser Traum
war so beeindruckend, dass sie erfahren wollte, welche Bedeutung er haben
könnte. Sie suchte nach ähnlichen Geschichten im Internet und kam zu dem
Schluss, dass sie einem Todesengel begegnet sei. Was bedeutet das? Wird sie
bald sterben? Sind ihre Heilungschancen doch nicht so hoffnungsvoll, wie der
Arzt ihr versicherte? Gleichermaßen beruhigt von ihrem Traum und aufgebracht
von ihren Erklärungsversuchen ging sie schlafen.

Er starb.

Am kommenden
Tag erreichte sie eine Nachricht ihrer Cousine. Der Bruder, Ediths Cousin, habe
in der Nacht im Koma Hirnblutungen bekommen. Man hätte versucht, ihn zu
operieren. Die Ärzte konnten aber nur noch seinen Hirntod feststellen. Er
verstarb am nächsten Tag – mit 21 Jahren.

Einige Zeit
später war seine Beerdigung. Alle waren untröstlich. Der geliebte Sohn, Bruder,
Neffe und Cousin war viel zu jung gestorben. Wie sollten die Lebenden das je
verschmerzen? Edith hingegen spürte während der Trauerfeier durchgehend die
Anwesenheit des Verstorbenen. Seit diesem Tag kann sie seine Nähe immer spüren,
Einsamkeit ist ihr seit dem unbekannt.

Sie lebte.

Einige Tage
nach der Beerdigung musste sie wieder zum Arzt. Vor diesen Untersuchungen hatte
sie furchbare Angst. Jedes Mal erneut die Sorge, dass sie ins Krankhaus müsse –
operiert werden soll oder weitere Strahlentherapie benötigt. Ihr freudiges
Erstaunen hätte nicht größer sein können, als sie erfuhr, dass ihr Krebs rapide
zurück gegangen sei. Mit ungläubigen Augen lauschte sie den Worten ihres Arztes.
Es dauerte nur noch wenige Monate und Edith war komplett geheilt – ohne
therapeutische Maßnahmen.

Er ist immer bei ihr. Edith kennt den Grund.

Sie glaubt fest, dass der Cousin seine Lebenszeit
geschenkt habe, während seines Komas. In jener Nacht, als er Hirnblutungen
bekam und gehen musste, hat er ihr das Geschenk des Lebens gemacht. Die Jahre,
die ihm zugestanden wären, hat er ihr geschenkt – und Ediths Tod mit sich
genommen. Sie fühlt sich heute – Jahre später -immer
noch mit ihm verbunden und beschützt.

Ihr Cousin ist der Schutzengel,
der ihren nahenden Tod mit sich davon trug. Er hat ihr die Hand gereicht – in
ihrem Traum, bevor er selber starb. Von ihm wurde sie gerettet.

Sie fühlt seine Gegenwart und
geht fest davon aus, dass sie sich dafür noch bedanken können wird:

An einem
anderen Ort – und zu einer anderen Zeit.

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