Schweinehirne wiederbelebt! Ist der Hirntod umkehrbar?

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk der Natur. Das Kontrollzentrum in unserem Kopf macht uns zu den Menschen, die wir sind: Es steuert unser Denken, unsere Bewegungen, verarbeitet Sinneseindrücke und reguliert unsere grundlegenden Körperfunktionen. Doch unser wichtigstes Organ ist leider auch sehr empfindlich: Ohne Sauerstoff ist es innerhalb weniger Minuten irreparabel geschädigt. Aber neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass das Gehirn vielleicht doch robuster ist, als bisher gedacht.

Gehirne von toten Schweinen wiederbelebt

Forschern der Yale Universität ist es gelungen, bestimmte Hirnprozesse von Schweinen mehrere Stunden nach ihrem Tod zu reaktivieren. Für ihren Versuch entnahmen die Wissenschaftler die Gehirne von 32 geschlachteten Schweinen und schlossen diese an eine Maschine namens BrainEx an. Sie versorgte die Gehirne mit einer Art künstlichem Blut, welches das Absterben von Hirnzellen verhindern soll.

Und tatsächlich: Obwohl die Schweinehirne erst vier Stunden nach dem Tod an das Gerät angeschlossen wurden, konnte innerhalb des sechsstündigen Versuchszeitraums wieder eine gewisse Gehirnaktivität festgestellt werden. Die Versorgung der Blutgefäße setzte beispielsweise wieder ein und einzeln untersuchte Nervenzellen reagierten nach Ende des Versuches sogar auf äußere Reize.

Bewusstsein? Fehlanzeige!

Das Gehirn ist somit in der Lage, sich über einen deutlich längeren Zeitraum zu regenerieren als bisher gedacht—allerdings nur teilweise. Denn das, was unser Bewusstsein ausmacht—nämlich die koordinierte Kommunikation der Nervenzellen untereinander—konnten die Wissenschaftler bei den untersuchten Schweinehirnen nicht beobachten. Im Gegenteil: Da ein wahrnehmendes Gehirn außerhalb seines Körpers ethisch äußerst fragwürdig ist, sollten bestimmte Stoffe in der Flüssigkeit solche Aktivitäten verhindern.

..und nun?

Zwar kann das Forschungsprojekt also keine Antwort auf ein mögliches Leben nach dem Hirntod geben, aber BrainEx könnte von großem Nutzen für die Erforschung von Gehirnerkrankungen sein—und eines Tages vielleicht für ihre Heilung.

Nina Beier

Chefredakteurin der Rubrik „Forschung und Kurioses“

Physikstudentin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Träumt davon, komplexe Wissenschaft für alle verständlich zu machen.

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