Agil arbeiten – aber wie?

Es ist noch nicht lange her, da mussten Mitarbeiter nicht viel mitdenken. Ihnen wurden Aufgaben zugeteilt, die sie – je nach Priorität – erledigten. Diese Welt existiert noch – parallel zu dem neu aufkommenden agilen Arbeiten. Die alte Arbeitswelt war in gewisser Hinsicht sicherer. Es wurde nur wenig Eigenintitative von den Mitarbeitern verlangt, dafür aber viel Gehorsam. In dem Konzept des New Work handeln Angestellte auf Augenhöhe mit Führungskräften, Teamarbeit wird groß geschrieben. Es geht nicht nur um das Salär, sondern auch um Berufung und Sinn.

Mitarbeiter sollen Verantwortung übernehmen

In der neuen Arbeitswelt lösen Mitarbeiter selbstständig Konflikte und entwicklen sich permanent weiter. Lebenslanges Lernen heißt die Devise.

Solche Veränderungen verlangen eine ganz neue Denk- und Handlungslogik, ein neues Mindset also. Schließlich muss ein Mensch, der Verantwortung übernimmt, ganz anders agieren als jemand, der Aufgaben nach Vorgabe erledigt.

Agilität auf Befehl? Absurd!

Viele Unternehmen habe sich die Transformation und das agile Arbeiten auf die Fahnen geschrieben, um flexibel und konkurrenzfähig zu bleiben.Es werden „agile Werte“ eingeführt oder rumprobiert, ob ein wenig Scrum oder Kanban helfen kann. In vielen Konzernen denkt man, neues Denken ließe sich über die Führungskräfte ausgießen, nur weil der Vorstand „Wir wollen agiler werden“ ausgerufen hat.  Es wird versucht, das neue Mindset eigenverantwortlicher Kognitionen und Handeln mit alten Mitteln zu befehlen – Die Absurdität ist offensichtlich!

Neues Arbeiten ist viel mehr und anders, als die alte Anweisung. Es ist Politik!

Das Konzept von „New Work“ Frithjof Bergmann. Arbeit bedeutet für ihn, die eigene Kreativität und Persönlichkeit zu entfalten – und sich damit aus der Lohnarbeit zu befreien:  Arbeiten ist bei ihm eine Handlung, die selbstständig, frei und in Gemeinschaft geschieht. Damit skizziert er schlussendlich ein Gegenmodell zum Kapitalismus und dem alten Modell der Klassen und Abhängigkeit.

Bisher nur die philosophische Betrachtung eines sinnerfüllten Lebens

Denn, eine solche freiheitlich arbeitende Gesellschaft sollte allen Menschen dienen. Vor dem Hintergrund der wegfallenden Arbeitsaufträge im Niedriglohnsektor bevorzugt die neue Arbeit seinen hohen Bildungsstand und zeigt uns deutlich, dass wir bei der Ausbildung von Menschen ansetzen müssen, um entgegenzusteuern, um nicht vielfach prekärer Existenzen zu erzeugen, oder, wie es Yuval Noah Harari formuliert, eine „Klasse der nutzlosen Menschen zu produzieren“.

Für ein Gegenmodell zum Kapitalismus, in dem autonome Individuen sinnstiftend und in Gemeinschaft agieren und kooperiern, braucht es Bildung. Mehr noch: Es braucht Freude am Lernen, Motivation und Geduld.

Susanne Gold

Gründerin & Herausgeberin des Zukunfts- und Wissenschaftsblogs Utopiensammlerin

Futuristin, Utopistin, Erfinderin und Sozialwissenschaftlerin. Sucht Utopien und sammelt Geschichten. Versteht Digitalisierung als Aufbruch in eine neue Welt – und träumt von einer besseren.

Kommentare

2 comments on “Agil arbeiten – aber wie?”
  1. letternwald sagt:

    Deine Anregungen gefallen mir: So wie ich die Arbeitswelt erlebe, muss heutzutage eigentlich jeder „agil“ sein, d. h. auch im einfachsten Berufsfeld muss man flott mitdenken können, selbstständig und motiviert handeln. Die Mitarbeiter lernen von Anbeginn, dass sie wesentliche Pfeiler ihrer Firmen sind, aber auch, dass man sie schnell austauschen kann, wenn es nicht läuft. Oft ist es ja auch so, dass Vorgesetzte nicht gerade diejenigen mit den besten Ideen sind, dass die Mitarbeiter aber dafür sorgen sollten, dass ihre Ideen möglichst so darzustellen sind, als wäre Chef selbst darauf gekommen. Gruß!

    1. Susanne Gold sagt:

      Dankeschön. Ja, Du hast Recht. Freiheit will gelernt sein! Das gilt für alle Beteiligten – die einen müssen das Zepter ergreifen, die anderen müssen es loslassen. Da gibt es noch viel zu tun!

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