Wie kommunizieren „Terraisten“ (46/52 – Terrasimus)

Illustration von Susanne Gold/ Text von Ted Ganten
In diesem Film erfährst du mehr über „Terraismus“. Hier gibt es das ganze Buch.

Wir haben uns in den letzten 45 Wochen mit den Zielen, den Aufgaben und den inneren Strukturen eines terraistischen Vereins auseinandergesetzt. Es gibt es ein paar eher faktische Randbedingungen, die ich für wesentlich halte, wenn ein solcher Verein funktionieren soll.

Go digital

Für eine virtuelle globale Organisation, die auch und gerade von der Einbindung ihrer Mitglieder lebt, bedarf es einer starken digitalen Plattform. Hierüber sollten nicht nur die Vollversammlung und Wahlen für den Ältestenrat und die Interessensvertreter der verschiedenen Mitgliederarten und Religionsvertreter stattfinden. Es sollte auch eine Bühne sein, auf der alle Beteiligten Meinungsbildung betreiben, miteinander kommunizieren und diskutieren. In schwierigen Fragestellungen könnte beratend oder sogar bindend die Meinung der Mitglieder abgefragt werden.

Heißt das jeder bestimmt mit?

Wegen mangelnder Fachkompetenz halte ich – wie bereits erörtert – eine „basisdemokratische“ Beteiligung durch bindende Meinungsumfragen und Referenden bei vielen Fragestellungen für nicht zielführend. Ein weiteres Beispiel gefällig? Die Briten, die über den Brexit abgestimmt haben, hatten zu 99 % keine Vorstellung, worüber sie abstimmen. Wenn überhaupt haben sie ihr sehr direktes Umfeld gefühlsmäßig erfasst. Vielleicht hätten sie lieber britische statt polnische Servicekräfte in ihrem Pub. Oder ein Deutscher hat ihnen den Job in London vor der Nase weggeschnappt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen im Binnenmarkt sind selbst für Spezialist*innen nur schwer erfassbar. Was bedeutet die gemeinsame, grenzüberschreitende Finanzierung von Forschung durch die EU für die Zukunftssicherung der Mitgliedstaaten? Die friedensstiftende Wirkung der EU in einem über Jahrzehnte von Kriegen erschütterten Europa? Wie wichtig ist der außenpolitische Einfluss der EU als Gegengewicht zu USA, Russland und China? Welche im Wahlkampf genutzten Aussagen sind wahr und welche nicht? Wie stark ist eine EU ohne das Vereinte Königreich in seinen Reihen? Jede einzelne dieser Fragen ist eher eine Doktorarbeit wert, als ein schnelles Kreuz auf einem fragwürdigen Stimmzettel. Anders ist es nur bei der Gewichtung abstrakter Zielen (siehe oben).

Wird Facebook, Google & Co den Verein übernehmen?

Die Informationen über den Verein und innerhalb des Vereins sollten nicht unkontrollierbaren Datenkraken wie Facebook, Google oder Co. überlassen werden. Bei einer Nutzung solcher Plattformen kann Manipulation mangels Transparenz sowohl durch Datenselektion als auch durch -auswertung nicht ausgeschlossen werden. Zu empfehlen wären hier eher offene oder eigene Tools. Die Open Source Bewegung hält ein gutes und ausbaufähiges Portfolio und Netzwerk vor. Die Internetpräsenz des Vereins muss gut organisiert und objektiv, informativ sein. Die Plattform sollte den Vorstandvorsitzenden, den Missionen und Gremien, den Ältesten, frei gewählten Interessensvertretern und den Mitgliedern zensurfrei zur Verfügung stehen.

Was wenn das System gehackt wird?

Niemand ist vor Hackerangriffen gefeit. Es müsste ein System zur digitalen Authentifizierung zur Verfügung gestellt werden. Dies müsste nicht staatlichen Ansprüchen genügen, sollte aber aus Cybersecurity-Gesichtspunkten über ein einfaches Passwort hinaus gehen. Fingerabdruckscanner – wie sie inzwischen jedes Handy beinhaltet, wären ein möglicher Ansatz. Allerdings würde das für Mitglieder den Besitz eines Smartphones voraussetzen. Insofern bedarf es noch einer anderen netzbasierten Lösung zum Beispiel über Dongles. Nicht am Netz angeschlossene Weltbürger zu adressieren, wäre schwierig. Informationstechnisch wären sie abgehängt und isoliert. Gerade sie sollten aber auch eine Stimme haben. Insoweit schlage ich vor, dass für solche Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit besteht, ihre Stimme an eine Person oder Organisation ihres Vertrauens abzutreten, die sie dann eigenständig informieren sollte.  Diese Organisationen und Personen bedürfen der Akkreditierung durch den Verein, um sicherzustellen, dass eine weitgehend objektive Information stattfindet, sie terraistische Ethik verstehen und fördern.

Nächste Woche beginnen wir uns anzuschauen, welche Rechte und Pflichten die verschiedenen Mitgliederarten haben. Wird Geld über die Mitbestimmungsrechte entscheiden?

Kommentare

One comment on “Wie kommunizieren „Terraisten“ (46/52 – Terrasimus)”
  1. Detlev Ganten sagt:

    Lieber Ted – Dein Film ist super . überzeugend, kurzweilig, informativ…. Du bist ein Genie!!
    Detlev

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