Viele Menschen und gigantische Umwälzungen: Die Welt in 100 Jahren.

Illustration Angela Smets/ Text Ulrich Eberl

Die Welt in 100 Jahren – oder zumindest die des Jahres 2100 – ist eine, die unsere Kinder, aber auf jeden Fall deren Kinder, noch erleben können. Sie ist uns näher, als wir vielleicht denken… und wir sollten daher höchstes Interesse daran haben, sie lebenswert zu gestalten. Liebend gerne möchte ich mir positive Zukunftsbilder vorstellen, doch dies ist im Moment fast unmöglich, weil die dystopischen, negativen Entwicklungen viel wahrscheinlicher sind.

Denn die globalen Anstrengungen, den Klimawandel zu bremsen, reichen bei weitem nicht aus.

Im Moment deutet alles darauf hin, dass die Menschheit in 100 Jahren in einer um durchschnittlich drei Grad wärmeren Welt leben muss. Dürren und Missernten werden an vielen Orten enorm zunehmen, ebenso Stürme und sintflutartige Regenfälle. Für Ackerflächen, Rinderherden, Soja und Palmöl werden schon jetzt die Regenwälder in atemberaubendem Tempo abgeholzt. Praktisch alle Korallenriffe – die Regenwälder des Meeres – sind akut bedroht, und in den Ozeanen wird es bald mehr Plastik geben als Fische. Über eine Million Tier- und Pflanzenarten stehen in den nächsten Jahrzehnten vor dem Aussterben. Und auch Pandemien, bei denen Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen überspringen, sind eine direkte Folge unseres ungebremsten Expansionsdrangs.

In einer solchen Welt, in der in 100 Jahren elf, vielleicht sogar zwölf Milliarden Menschen leben werden, muss es zu gigantischen Wanderungsbewegungen kommen – denn oft wird keine Landwirtschaft mehr möglich sein, und viele Küstenregionen werden buchstäblich im Meer versinken.

Dass solche Umbrüche ohne gewalttätige Auseinandersetzungen ablaufen könnten, ist kaum vorstellbar. Um aber eines klar zu sagen: Es geht nicht in erster Linie darum, die Erde oder die Natur zu retten, denn „das Leben findet immer einen Weg“ – selbst wenn es zu Massensterben kommt. Nein, es geht darum, unsere Zivilisation zu retten. Es geht um ein menschenwürdiges Leben für unsere Kinder und Kindeskinder!

Noch ist nicht alles verloren.

Ich denke, wir haben noch eine Chance. Die 2020er-Jahre sind vielleicht die letzte Gelegenheit, das Steuer herumzureißen. Viele Menschen spüren das. Immer mehr junge Leute sind entschlossen, es besser zu machen und an einer lebenswerten Zukunft mitzuarbeiten. Forscher und Unternehmer entwickeln eine Menge Innovationen, etwa Müllsammler für Ozeane, Hyperloops und Elektroflugzeuge, vertikale Bauernhöfe und die künstliche Photosynthese für Strom und Biotreibstoffe. Sie lassen Organe im 3D-Drucker wachsen, züchten künstliches Fleisch im Bioreaktor und beschleunigen die biologische Evolution, um Giftstoffe und Plastik abzubauen. Mehr noch: Nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns lassen sie Maschinen lernen, wie man leistungsfähige Werkstoffe und Arzneimittel herstellt, Energiesysteme umweltfreundlich optimiert, den Ressourcenverbrauch verringert und die gesamte industrielle Produktion in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft umwandelt.

Grundsätzlich bin ich überzeugt davon, dass Erfindungsgeist und kluges Handeln in der Lage sind, auch die größten Hürden zu überwinden – und damit hoffentlich auch die Engstirnigkeit und den Egoismus derjenigen Menschen, die einer lebenswerten Welt im Wege stehen.

Die Menschheit hat bisher auch die dunkelsten Zeiten überwunden. Vielleicht haben wir doch noch eine Chance auf eine Zukunft nicht gegen, sondern im Einklang mit der Natur!

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In seinen Büchern beschreibt er viele Entwicklungen, die die Zukunft prägen werden – auf so unterschiedlichen Gebieten wie Umwelt und Energie, Mobilität, Stadtentwicklung oder Gesundheit. Das besonders aktuelle Feld der Robotik und Künstlichen Intelligenz steht im Zentrum seiner Bücher „Smarte Maschinen“ (Hanser, 408 Seiten, 24 Euro) und „33 Fragen – 33 Antworten zur Künstlichen Intelligenz“ (Piper, 128 Seiten, 10 Euro, Mai 2020).

 

Kommentare

2 comments on “Viele Menschen und gigantische Umwälzungen: Die Welt in 100 Jahren.”
  1. derpeavy sagt:

    @ utopiensammlerin: Haste meine Mail bekommen?

    1. Susanne Gold sagt:

      habe ich, danke. Antwort kommt.

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