Die Verbindende, die angekommen ist: Wer ist Daniela Marie McTassney?

Wer ist Dani McTassney? Dani hat früh gelernt, wie aus einer Skizze ein Stuhl wird. Bei Nils Holger Moormann, einem der eigenwilligsten Möbeldesigner Deutschlands, übernahm sie direkt nach dem Studium Verantwortung: Lieferanten finden, Produktionen koordinieren, mit Designern wie Konstantin Grcic, Kurt Thut oder Hannes Wettstein arbeiten – diskutieren, reisen, feiern. Eine Welt voller Ideen, die Form annehmen.

Irgendwann aber stellte sie fest, dass sie selbst noch nicht ihre Form gefunden hatte.

Die Verbindende

Wer Dani heute fragt, wer sie ist, bekommt keine Berufsbezeichnung. Sie sagt: Verbindende. Jemand, der im Hintergrund arbeitet, aufmerksam ist, Möglichkeiten erkennt — nicht um selbst im Mittelpunkt zu stehen, sondern damit andere wachsen können. Diese Rolle hat sie nicht gewählt. Sie hat sie in sich entdeckt.

Im Designbereich hat sie das lange ausgelebt. Internationale Netzwerke, Projekte, Sponsoring — sie weiß, wie man Menschen zusammenbringt und Ideen beweglich macht. Doch irgendwann verschob sich ihr Interesse. Nicht mehr Materialien, Funktionen, Produkte. Sondern Menschen. Wie sie leben. Wie sie sich zeigen. Wie sie herausfinden, wer sie wirklich sind.

Die Frage, die sie früher an Objekte gestellt hatte, stellte sie nun an sich selbst.

Die leisen Neuanfänge

Auf Wendepunkte angesprochen, nennt Dani mehrere — den Berufseinstieg, neue Aufgaben, internationale Erfahrungen. Aber dann korrigiert sie sich gewissermaßen selbst. Die wirklichen Veränderungen, sagt sie, seien anders gewesen. Leiser. Innen.

„Ich glaube, die wirklichen Neuanfänge passieren nicht außen, sondern meist leise im Inneren — in dem Moment, in dem man beginnt, immer mehr man selbst zu werden.”

Was das bedeutet, lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Diese Erkenntnis gibt es nicht zum Nachlesen. Dani hat lange funktioniert — hat Ziele erreicht, Erwartungen erfüllt, ist präsent gewesen. Nach außen hin fehlte es ihr nie an Selbstvertrauen. Die eigentliche Herausforderung lag woanders: sich selbst ehrlich zu begegnen. Vieles war als Gefühl lange da, sagt sie, und lange verdrängt.

Ihren Lebensweg beschreibt sie heute als zweigeteilt — Karriere auf der einen, persönliche Entwicklung auf der anderen Seite. Manche Erkenntnisse kommen spät. Manche sind unbequem. Manche schmerzhaft. Aber gerade diese sind oft die ehrlichsten.

Freiheit beginnt innen

Im Gespräch kehrt ein Wort immer wieder: Freiheit. Nicht als Abwesenheit von Verpflichtungen. Nicht als Möglichkeit, alles zu tun. Sondern als etwas sehr Bestimmtes: nicht mehr gegen sich selbst leben zu müssen.

Kreativität hat für sie in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung bekommen. Früher: neue Ideen, neue Lösungen, neue Formen. Heute: der Mut, sich selbst zu verändern. Alte Wege zu verlassen. Dem eigenen Leben eine Richtung zu geben, die wirklich die eigene ist.

„Schönes zu gestalten ist für mich nur ein Teil von Kreativität“, sagt sie. „Ein großer Teil sind Offenheit, Bewusstsein und persönliche Entwicklung.”

Das klingt nach einem Lebensmotto. Vielleicht ist es das.

Eine menschlichere Welt

Danis Gedanken kreisen selten lange um sich selbst. Immer wieder landet das Gespräch bei der Gesellschaft — beim Umgang miteinander, bei Offenheit, bei dem, was Menschen voneinander trennt oder verbindet.

Sie erlebt Deutschland als ein Land, das offener geworden ist, aber oft noch unsicher. Dort, wo Menschen sich selbst reflektieren und emotional zugänglich sind, erlebt sie Offenheit. Dort, wo starre Rollenbilder und Erwartungen dominieren, entsteht Unsicherheit — manchmal Angst.

Ihre persönliche Utopie handelt nicht von Technologie oder Wohlstand.

„Ich hoffe, dass Menschen ihre Entscheidungen weniger aus Angst oder Ideologien treffen — sondern mehr aus Menschlichkeit.” Eine Welt, in der Unterschiede zur Normalität gehören. In der niemand sofort bewertet werden muss. In der innere Werte mehr zählen als äußere Erscheinung. Das klingt einfach. Es ist es nicht.

Angekommen

Am Ende die Frage: Was entdeckst du gerade neu an dir? Dani antwortet ohne Zögern „Ruhe. Ich bin endlich angekommen.” Es gibt Sätze, die man sofort glaubt. Dieser ist einer davon. Nicht weil er groß klingt, sondern weil er so klar ist — so präzise, so selbstverständlich gesagt. Auf die Frage, wie es ihr heute wirklich geht, antwortet sie: „Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit: wirklich gut.”

Und was soll die Welt in hundert Jahren von ihr wissen?

Dani lacht. Sie hofft, dass irgendwann jemand sagt: „Die Dani — die war schon ein Pfundskerl und gleichzeitig ein echtes Prachtweib.”

Wer ihr begegnet, ahnt: Genau das wird jemand sagen.

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