Mit einem ukrainischen Märchen und internationaler Perspektive die UX-Welt erobern – Wer ist Maryna Zabigailo?

„Das Rübchen“ ist mehr als nur ein Kindermärchen. Für Maryna Zabigailo ist diese alte ukrainische Geschichte ein Lebensprinzip: Eine riesige Rübe lässt sich nur ernten, wenn alle mithelfen – vom Großvater bis zur kleinen Maus. „Nur gemeinsam, mit Teamgeist und gegenseitiger Unterstützung lassen sich große Herausforderungen meistern,“ erklärt die UX-Forscherin mit ihrem strahlenden Lächeln. „Jeder Beitrag zählt, egal wie klein er auf den ersten Blick erscheinen mag.“

Von der Linguistik zur digitalen Transformation

Marynas beruflicher Weg gleicht einer spannenden Reise durch verschiedene Welten. In der Ukraine geboren, studierte sie zunächst Linguistik und entdeckte ihre Liebe zu Sprachen und Kommunikation. Über ein Auslandspraktikum führte sie ihr Weg in die Hotellerie, wo sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolvierte.

„In der Hotellerie arbeitete ich täglich mit komplexen Systemen – besonders faszinierend fand ich die Preisbildung,“ erinnert sie sich. Diese Begeisterung für komplexe Zusammenhänge trieb sie weiter: Mit einem Master in „Entrepreneurship und digitale Transformation“ wagte sie den mutigen Schritt in eine völlig neue Branche.

Der entscheidende Moment kam während eines Intrapreneurship-Projekts: Maryna entwickelte eine virtuelle Schulung zum sicheren Umgang mit 3D-Druckern. „Plötzlich hatte ich diese Aha-Erlebnis – ich konnte Design Thinking und Prototyping anwenden und mich wirklich in die Nutzer hineinversetzen. Da wusste ich: Das ist es!“

Was ist eigentlich UX?

UX steht für „User Experience“ – die Nutzererfahrung. UX-Forscher wie Maryna untersuchen, wie Menschen mit digitalen Produkten interagieren, welche Bedürfnisse sie haben und wie Technologie so gestaltet werden kann, dass sie intuitiv bedienbar, hilfreich und angenehm zu nutzen ist.

„Stellen Sie sich vor, Sie benutzen eine App oder ein Computerprogramm und verstehen sofort, wie es funktioniert – ohne Handbuch und ohne Frust. Das ist gute UX,“ erklärt Maryna. „Meine Aufgabe ist es, die Brücke zwischen Menschen und Technologie zu bauen. Ich frage: Was brauchen die Nutzer wirklich? Wie denken sie? Wie können wir digitale Werkzeuge so gestalten, dass sie das Leben einfacher machen, nicht komplizierter?“

Mit Empathie in die Industriewelt

Heute forscht Maryna im industriellen Bereich – dort, wo Maschinen gesteuert, Fabriken überwacht und komplexe technische Prozesse koordiniert werden. Ihre Nutzer sind Inbetriebnehmer, IT/OT-Manager, Entwickler und Projektmanager – Menschen, die unter hohem Druck arbeiten und verlässliche Systeme brauchen.

„Viele meiner Nutzer haben buchstäblich die Hände voller Maschinenöl und brauchen trotzdem Zugang zu digitalen Informationen,“ lacht sie. „Wenn ein Maschinenbediener in Sekunden wichtige Entscheidungen treffen muss, darf die Bedienung eines Systems nicht im Weg stehen. Da geht es nicht um schickes Design, sondern um echte Unterstützung im Arbeitsalltag.“

Besonders intensiv beschäftigt sie sich derzeit mit Design Systemen – einer Art digitalem Baukasten, der Designer und Entwickler zusammenbringt. „Ein gutes Design System macht die Zusammenarbeit effizienter und sorgt dafür, dass digitale Produkte konsistent und benutzerfreundlich sind. So können wir schneller bessere Lösungen entwickeln.“

Technologie für alle zugänglich machen

Was Maryna antreibt, geht über Benutzerfreundlichkeit hinaus. „Meine Mission ist es, digitale Lösungen zu gestalten, die das Leben der Menschen optimieren,“ betont sie. Dabei denkt sie besonders an Barrierefreiheit und Inklusion – ein Aspekt, der ihrer Meinung nach oft unterschätzt wird.

„Digitale Produkte sollten für alle zugänglich sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder Vorkenntnissen. Gute UX kann Barrieren abbauen und Teilhabe ermöglichen. Das ist in einer zunehmend digitalisierten Welt wichtiger denn je.“

Teamwork mit ukrainischen Wurzeln

In internationalen, interdisziplinären Teams fühlt sich Maryna am wohlsten. Dabei bringt sie nicht nur ihre fachliche Kompetenz ein, sondern auch ihre kulturelle Perspektive. „Aus meiner ukrainischen Heimat habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zusammenzuhalten und pragmatische Lösungen zu finden,“ erklärt sie.

Was macht ein gutes Team aus? „Offenheit, gegenseitiger Respekt und eine ehrliche Feedbackkultur,“ sagt Maryna ohne zu zögern. „Und natürlich Kaffeepausen! Diese informellen Momente sind oft die produktivsten. Da entstehen plötzlich die besten Ideen.“

Die Zukunft gestalten

In den nächsten Jahren will Maryna noch stärker an der Schnittstelle zwischen neuen Technologien und menschlichen Bedürfnissen arbeiten. „Künstliche Intelligenz, Internet of Things, Automatisierung – all das bietet enorme Chancen, wenn wir es menschenzentriert gestalten,“ erklärt sie.

Sie sieht sich künftig in einer leitenden Rolle, in der sie UX-Strategien entwickelt, Teams coacht und als Vermittlerin zwischen Technik, Business und Anwendern agiert. „Ich möchte dazu beitragen, dass digitale Systeme nicht nur funktionieren, sondern auch Sinn machen – für die Menschen, die sie täglich nutzen.“

Spuren hinterlassen – im Digitalen und darüber hinaus

Was treibt Dich an, Maryna? 

„Mich treibt vor allem die Vorstellung an, dass wir alle die Möglichkeit haben, Spuren zu hinterlassen – im Kleinen wie im Großen,“ sagt sie. „Ich finde es unglaublich inspirierend, Menschen miteinander zu verbinden, neue Perspektiven zu eröffnen und Räume zu schaffen, in denen man wachsen und lernen kann.“

Werte wie Ehrlichkeit, Mitgefühl und Kreativität sind für Maryna keine leeren Worte, sondern Wegweiser in einer komplexen Welt. Abseits der Bildschirme tankt sie Energie in der Natur und auf Reisen. „Der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen öffnet mir immer wieder neue Perspektiven.“

Eine Welt, in der wir aufeinander hören

Wenn man Maryna fragt, wie sie die Welt verändern würde, wenn sie könnte, muss sie nicht lange überlegen.

„Ich würde dafür sorgen, dass wir mehr aufeinander hören – wirklich zuhören, ohne gleich zu bewerten,“ sagt sie mit einer Überzeugung, die ansteckend wirkt. „Ich glaube fest daran, dass viele globale Herausforderungen sich besser lösen ließen, wenn wir empathischer miteinander umgehen und nicht vergessen, dass Menschlichkeit keine Ressource ist, die jemals knapp werden sollte.“

Diese Haltung spiegelt sich auch in ihrer Arbeit wider. In einer Zeit, in der Technologie oft als kalt und distanziert wahrgenommen wird, setzt Maryna auf das Menschliche. Auf echtes Zuhören. Auf Empathie.

Am Ende unseres langen Gesprächs kommt sie noch einmal auf das „Rübchen“-Märchen zurück: „Wissen Sie, in der digitalen Welt ist es genau wie in diesem Märchen – erst wenn alle zusammenhelfen und ihre unterschiedlichen Stärken einbringen, können wir die großen Herausforderungen meistern.“

Diese Philosophie macht Maryna Zabigailo zu einer außergewöhnlichen UX-Forscherin: Sie verbindet technisches Know-how mit tiefer Menschlichkeit und schafft so digitale Lösungen, die nicht nur funktionieren, sondern das Leben tatsächlich bereichern. Eine Brückenbauerin zwischen Welten – mit ukrainischen Wurzeln und Begeisterung für unsere digitale Zukunft.

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