Text von Corinna Heumann/ Illustration von Frank Fremerey
Der Bonner Fotograf Frank Fremerey und die Künstlerin Corinna Heumann stellen in einer neuen Serie von Fotomontagen die Frage:
Wie können Menschen dazu inspiriert werden, sich mit fragwürdiger Kunst im öffentlichen Raum auseinanderzusetzen?
Denkmalsturz, Bildersturm oder auch Cancel-Culture sind Versuche, Kunstwerke, die dem Zeitgeist nicht mehr standhalten können, abzuräumen. Symbole historischer Irrwege führen allerdings nicht durch ihr Verschwinden zu tieferen kulturpolitischen Einsichten. Im Gegenteil entziehen sie sich einer lebendigen kreativen und redlichen Auseinandersetzung, sobald sie nicht mehr sichtbar sind. Dem Anspruch, dass man die Geschichte kennen muss, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu erfinden, wird damit immer weniger Rechnung getragen.
Kontextualisieren
‘Kontextualisieren’ ist heute ein Weg, sich mit der Komplexität des Zusammenspiels von Kreativität und den Manifestationen des jeweiligen Zeitgeistes umfassender auseinanderzusetzen. Man lässt dabei das Kunstwerk an Ort und Stelle und bringt zusätzlich eine Plakette mit Erklärungen an.
Nun zeigt sich aber, dass diese Plaketten zum historischen und künstlerischen Hintergrund meist kaum wahrgenommen werden. Statt der lebendigen konstruktiven Reflexion über die vielfältigen Intentionen, Interpretationen und Instrumentalisierungen von Kunst im öffentlichen Raum sorgen aus der Zeit gefallene ethisch fragwürdige Objekte für Irritationen und sogar Verletzungen. Meist werden sie übersehen oder bewusst ignoriert. Zuweilen werden diese Werke sogar als historisch relevant verteidigt oder gelegentlich beschmiert.
Ästhetik und Sinnhaftigkeit im öffentlichen Raum
Verwundert stellt man fest, dass die Diskussionen über Ästhetik und Sinnhaftigkeit der Kunst im öffentlichen Raum über Empörungswellen und Polemik hinaus nur selten gelungene künstlerische zukunftsorientierte Ideen und Werke hervorbringen. Ziel ist hier die partizipative konstruktive Auseinandersetzung über Wert und Bedeutung des öffentlichen Raums und seine Gestaltung weit über die kommerzielle Nutzung hinaus.
Künstlerische Freiheit
Ethisch problematische Kunst sollte man daher an Ort und Stelle belassen und für künstlerische Veränderungen freigeben. Vorgeschlagen wird hier die vertikale Drehung solcher Werke um 180 Grad. So kann ‘Kunst-auf-dem-Kopf’ im besten Fall heitere Aufmerksamkeit erregen. Spielerisch reflektierend wird sie neu wahrgenommen. Diese Art des ‘out-of-the-box’-Denkens öffnet nicht nur neue ästhetische Möglichkeiten, sondern betont auch inhaltliche künstlerische Aspekte, historische und kulturelle Zusammenhänge. Die künstlerische Freiheit im Umgang mit der Historie wird wieder in den Vordergrund gerückt. L’art pour l’art – das kreative Spiel geht weiter.
