Spielzeug, nicht Rechenmaschine!

Die Zeit, in der lediglich die einfachen Tätigkeiten automatisiert werden, ist Vergangenheit. Heute hält die Künstliche Intelligenz immer weiter Einzug in die klassische Wissensarbeit. Die hochqualifizierten Arbeitsplätze gut ausgebildeter Menschen stehen vor einem Umbruch.

Wenn die KI macht unsere Arbeit, was machen dann wir?

Wenn die künstliche Intelligenz uns das rationale Denken künftig abnimmt, was bleibt dann den Menschen zu tun? Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wer wir eigentlich sind, beginnen wir Menschen in uns selbst zu schauen. Philosophie und Geisteswissenschaften erleben heute eine neue Blüte, eine Art Renaissance. Allen Ortes üben Menschen Achtsamkeit, Minimalismus und Bewusstwerdung.

Menschen spielen

Von Geburt an erlernen wir alle für das Leben notwendige Regeln spielerisch. Keine Frage – der Mensch ist ein von Grund auf verspieltes Wesen.

Johan Huizinga betrieb Spieleforschung schrieb bereits 1956 in seinem Buch „Homo Ludens“ vom Ursprung unserer Kultur im Spiel. Für Huizinga ist der spielende Mensch eine grundsätzliche Voraussetzung für die Entstehung und den Erhalt von Kultur. Dabei ist das Spiel älter als die ersten Spuren menschlicher Kultur, denn nicht nur Menschen spielen, sondern auch im Tierreich wird spielerisch gelernt. Dennoch: Keine Spezies spielt so gerne und intensiv wie der Mensch.

Spielen macht uns Menschen Freude. Was wir spielerisch erlernen, können wir am besten. Unsere Gehirne sind quasi auf das Spielen programmiert.

Unsere Gehirne sind Spielzeuge keine Rechenmaschinen.


„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ (Friedrich Schiller)

Gleich, ob Gesellschaftsspiele, Computer- oder Glücksspiele, ob mit mehreren oder allein – auf der ganzen Welt und in allen Kulturen wird gespielt. Es ist unser Spieltrieb, der uns durch Versuch und Irrtum lehrt. Wenn wir spielen, verbessern wir unsere motorischen Fähigkeiten, lernen, wie Dinge funktionieren und wie wir sie nutzen können.

Wir haben uns spielend die Welt unterworfen

Warum sollte wir diese nicht auch spielerisch zu einem utopischen Lebensraum umgestalten können?

Unsere spielerische Intelligenz unterscheidet uns grundsätzlich von der rationalen Intelligenz smarter Maschinen – und ergänzt sie zugleich komplementär. Der spielende Mensch ist komplex und intransparent verbunden mit dem, was ihn umgibt: Natur, Geist und Gesellschaft. Dabei ist er nicht berechenbar. Unsere Unberechenbarkeit ist dort zu erkennen, wo menschliches Verhalten prognostiziert werden soll:

In den Kriminalprognosen der Kriminologen. Oft ist die Beurteilung künftigen Verhaltens und die Entwicklung eines Straftäters falsch. Der Mensch bleibt intransparent und unberechenbar.

Unsere Leidenschaft zum Spielen macht uns kreativ

Unsere Kreativität befähigt uns, spontan und innovativ auf neue Situationen zu reagieren.

Das ist es, was der Mensch der Welt von Morgen zu bieten hat.

In einer Umgebung, in welcher die künstliche Intelligenz immer häufiger die Spielregen der Kommunikation mitbestimmt, wird unsere Fähigkeit zu Spiel und Überraschung unser Alleinstellungsmerkmal werden. Rechnenden Maschinen werden ergänzt durch die menschliche Fähigkeit für gestalterische Veränderung und Kreation.

Spielernaturen, Künstlern und kreativen Querdenkern gehört die Zukunft.

Sie sind diejenigen, die neue Räume jenseits technologischer Kontrolle zu entdecken in der Lage sind. Darum ist es heutzutage so wichtig, kreativ zu sein, Spaß zu haben und unsere soziale Umgebung im Spiel neu zu formen.

Nie waren die Bedingungen für eine bessere Welt so gut wie heute: Durch das Internet haben wir einen nie zuvor dagewesenen Radius der Vernetzung an die Hand bekommen. Wir können uns nach innen und außen entfalten und alte lineare, eindimensionale Strukturen, in welchen wir lediglich zu funktionieren hatten, für immer hinter uns lassen.

Dies gilt in besonderem Maße für die Arbeitswelt von Morgen.

 

Susanne Gold

Gründerin & Herausgeberin des Zukunfts- und Wissenschaftsblogs Utopiensammlerin

Futuristin, Utopistin, Erfinderin und Sozialwissenschaftlerin. Sucht Utopien und sammelt Geschichten. Versteht Digitalisierung als Aufbruch in eine neue Welt – und träumt von einer besseren.

Kommentare

One comment on “Spielzeug, nicht Rechenmaschine!”
  1. Dieter Hannemann sagt:

    Positive Utopie, da fällt mir sofort die Star Trek Gesellschaft ein, da würde ich gern leben, dies würde Spaß machen.
    Wir sollten alles dafür tun um schnellstmöglich diese Zukunft-Vision zu erreichen. Schritt eins: UBI-BGE umsetzen wodurch alle am technischen Fortschritt profitieren. Das BGE wird solang angehoben bis bei 5000 oder 10.000 Euro Geld und Besitz sinnlos werden, sich jeder das nehmen kann was er benötigt = Willkommen in der Star Trek Gesellschaft.
    https://youtu.be/fw13eea-RFk

Schreibe eine Antwort zu Dieter Hannemann Antwort abbrechen