Teilen ist das neue Haben!

Sharing Economy von Karl-Heinz Land

Digitale Technologien bilden eine neue Infrastruktur des Wohlstands und führen zur Dematerialisierung physischer Produkte

Das Internet der Dinge, datenbasierte Geschäftsmodelle, die Künstliche Intelligenz und die Blockchain fördern den Trend, Besitz nicht mehr als wesentlich zu betrachten. Der Wohlstandsbegriff verändert sich. Teilen ist das neue Haben, die Sharing Economy avanciert zur vorherrschenden Form des Konsums.

Der Paradigmenwechsel ist in der Wirtschaft längst spürbar

Mit einer Bewertung von 69 Milliarden Euro gilt das Sharing-Unternehmen Uber als vielversprechendstes Start-up der Welt und sein Geschäftsmodell exemplarisch für Erfolg. Der weltweit größte Car-Sharing-Anbieter ist das chinesische Start-up Didi Chuxing, das 400 Millionen Kunden in 40 chinesischen Städten bedient. Über Partnerunternehmen ist Didi Chuxing bisher auch in anderen Märkten aktiv, zum Beispiel in Paris.

Weltweit protestieren Taxifahrer vehement gegen Car-Sharing-Dienste. Auf ihren Druck hin erlassen Kommunen Verordnungen, die private Sharing-Angebote untersagen. Auch auf dem Wohnungsmarkt bekommt die Sharing Economy kräftigen Gegenwind. Metropolen, in denen Mietwohnungen knapp und teuer geworden sind, dämmen regulatorisch den Siegeszug von Airbnb ein. Denn die Idee, ungenutzten Wohnraum vorübergehend an Reisende zu vermieten, ist längst zu einem Geschäftsmodell mutiert. Viele Immobilienbesitzer vermarkten ihre Wohnungen nur noch über Airbnb und entziehen sie dem Angebot für potenzielle Langzeitmieter. Es sind Wettstreite um die Märkte von morgen, die rund um die Sharing Economy ausgetragen werden:

Tradition versus Zukunft, analog versus digital, Konsum versus Teilen, Sicherheit versus Agilität – nicht nur im Job, auch im Privaten

Die Frage ist, ob sich Widerstand lohnt? Bereits 46 Prozent der Deutschen nutzen Angebote der Sharing Economy. 35 Prozent zählen zu den Anbietern von Sharing-Produkten. Die „Teiler“ sind vor allem davon überzeugt, dass die Gesellschaft profitiert (76 Prozent) und das Leben erschwinglicher wird (71 Prozent), wenn Güter und Services geteilt, statt immer wieder neu gekauft werden. Ihr Interesse konzentriert sich auf Medien- und Unterhaltungsangebote (33 Prozent), auf Konsumgüter wie Kleider oder Spielzeug (31 Prozent) und auf den Markt für Automobile und Transport (28 Prozent).  Besonders populär, das zeigen Untersuchungen des Marktforschungsinstituts TNS Infratest, ist das Teilen bei den Unter-40-Jährigen.

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – dieser einst von den Sparkassen in einem Werbeslogan komprimierte Besitzerstolz – kommt bei jungen Leuten nicht mehr gut an!

Viele Millennials, also die zwischen 1980 und Mitte der 1990er-Jahre geborenen Menschen, pfeifen auf Eigentum. Der Zukunftsdenker Jeremy Rifkin propagiert die Sharing Economy wie kein Zweiter und hat schon 2000 in seinem Buch „Access – Das Verschwinden des Eigentums“ formuliert: „Im kommenden Zeitalter treten Netzwerke an die Stelle der Märkte, und aus dem Streben nach Eigentum wird Streben nach Zugang, nach Zugriff auf das, was diese Netzwerke zu bieten haben.“

Ohne das Internet und die Digitalisierung wäre dieser Bewusstseinswandel nicht denkbar. Erst die Plattform-Ökonomie ermöglicht es, in großem Stil Angebot und Nachfrage zusammenzubringen

Viele erfolgreiche Modelle der Sharing Economy basieren auf Plattformen, die nur die zentralen Vermittlungsdienste zur Verfügung stellen und einen rechtlichen Rahmen für Transaktionen schaffen. Sie besitzen kein einziges Gut und leben von Provisionen aus den vermittelten Abschlüssen. Airbnb hat kein einziges Hotelbett, Uber hat kein einziges Auto. Und doch besitzen diese Start-ups die Energie, Branchen vollends durcheinanderzuwirbeln. Sie ziehen neue Wettbewerber, häufig Privatpersonen, in einen Markt, der bislang professionellen Anbietern vorbehalten war. Ihr Geschäftsmodell ist hochskalierbar und lässt sich mühelos globalisieren. Sie organisieren den Kundenkontakt, die sogenannte Customer Journey, in den Märkten neu.

 

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Kommentare

6 comments on “Teilen ist das neue Haben!”
  1. Bernhard Gramberg sagt:

    Wenn AirBnB das machen würde: „ungenutzten Wohnraum vorübergehend an Reisende zu vermieten“, wär es ja schön und gut.
    Air BnB ist aber mittlerweile ein ganz normales Portal zum Vermieten der Wohnung als Ferienwohnung, 365 Tage im Jahr. Das ist kein „sharing“, sondern ganz normale Ferienwohnungsvermietung und entzieht damit der Stadt (z.B. Berlin) Wohnraum im großen Umfang.

    Schaut doch mal an, was AirBnB vermietet und schaut den Belegungskalender für das Jahr an. Das „Mitwohnen auf dem Sofa“, schön, wenn es das noch gäbe. Gibt es aber nicht.
    Nicht umsonst wird in Hamburg eingeführt, dass nur noch 80 Tage/Jahr erlaubt sind.

    1. Susanne Gold sagt:

      Stimmt! Wie immer machen die Raffgierigen eine eigentlich tolle Sache kaputt. Schade!

  2. Bernhard Gramberg sagt:

    Diese Aussage ist falsch: „Auf ihren Druck hin erlassen Kommunen Verordnungen, die private Sharing-Angebote untersagen.“

    Uber macht ein Geschäftskonzept, dass ganz klar gegen seit langem bestehende Gesetzte verstößt und probiert aus, wie viel Gegenwind es dabei gibt. Und tut ganz unschuldig. Es gibt das Personenbeförderungsgesetz (aus gutem Grunde) seit Jahrzehnten, aber Uber schert sich einen Dreck um die Gesetzeslage.

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