Wann ist Fortschritt erfolgreich?

Das Pro-Kopf-Einkommen ist in diesem Jahr erneut gestiegen. Glücklichere Menschen scheinen wir deshalb nicht zu sein.

Bereits 1974 wies der US-Ökonom Richard Easterlin zum ersten Mal auf das paradoxe Phänomen hin, dass mehr Einkommen nicht mehr Glück bedeutet. Seinerzeit erschütterte er mit dieser These die traditionelle Ökonomie.

Wenn Geld glücklich machen würde – müsste die heutige Generation dann nicht viel glücklicher als die ihrer Eltern sein?

In unserer Gesellschaft ist Geld das Medium, mit dem wir Dingen einen Wert geben. Wie aber wäre es, wenn wir das Glück der Menschen zum Richtwert machen würden? Was, wenn das Glück der Menschen zum übergeordneten Ziel erklärt werden würde, an dem wir den Erfolg unseres Fortschrittes messen?

In einem solchen Fall müssten Unternehmen und Individuen ihr Vorhaben und Handeln von vornherein auf seinen sozialen Nutzen ausrichten.

Bruttonationalglück als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt? Klingt absolut utopisch, findest Du?

Es gibt sogar einen Pionier auf diesem Gebiet: Das Königreich Bhutan führte in den 1970er-Jahren ein „Bruttoinlandsglück“ ein. Den Begriff hat in den siebziger Jahren der damalige König Jigme Singye Wangchuck geprägt – als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt. Seit dem steht im Königreich Bhutan das Recht auf Glück in der Verfassung, der Staat misst es regelmäßig mit einem dicken Fragebogen.

Kann die Welt von Bhutan lernen?

In Buthan ist das nicht wachstumsorientierte Wirtschaftsmodell in der staatlichen Verfassung verankert. Das Land ist eher arm, doch es misst seine Leistung ja nicht am Wohlstand sondern am Wohlbefinden seiner Bevölkerung. Die Bhutanesen zählen zu den zufriedensten Menschen unserer Erde. In Ländern wie Bhutan und auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es bereits Glücks-Ministerien. An diesem Beispiel orientieren sich heute anderen Staaten.

Über das Glück der Menschen berichtet der Happiness Report

Ziel des Happiness Reports ist es, Glück als Maß für eine erfolgreiche Politik einzuführen. „Regierungen nutzen zunehmend Glücks-Indikatoren als Basis für politische Entscheidungen“, stellte der US-Ökonom Jeffrey Sachs fest, einer der Initiatoren. Den Erfolg des Fortschritts am Glück der Menschen zu messen, ist eine ausbaufähige Idee, wie ich finde.

3 Gedanken zu „Wann ist Fortschritt erfolgreich?

  1. Dieter Hannemann sagt:

    Glück ist gleich Zufriedenheit mit dem was ich mache, wo ich lebe und mit wem ich zusammenlebe. Schon das Fehlen von einem kann Glück zerstören. Wenn etwa der Partner weg ist, oder der Wald einem Tagebau, oder Straße weichem muss. Wie Menschen Glück empfinden und definieren ist so unterschiedlich wie Menschen sind! Man kann als Minimalist glücklich sein ohne viele Dinge – wer aber in Armut lebt, den werden diese fehlen.
    Wo lebt man wirklich glücklich, auch wenn dies keine 100% Richtigkeit hat:

    „Eine „Weltkarte des Glücks: An der Spitze liegen Island, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Irland und Kanada – also Länder mit geringer Siedlungsdichte und hoher Lebenserwartung –, am Ende viele osteuropäische und lateinamerikanische Länder (mit Ausnahme von Brasilien) sowie der Irak und Simbabwe. Deutschland liegt noch hinter Ägypten, Kirgisistan und Ruanda.“ http://www.jdsurvey.net/jds/jdsurveyMaps.jsp?Idioma=I&SeccionTexto=0404&NOID=103

    Aber sicher ist eins: Es kann der Einzelne nur wirklich glücklich leben wenn es allen gut geht, Menschen, Lebensformen und der Umwelt!

  2. lyriost sagt:

    Nicht nur Geld wird in unserer Gesellschaft als Wertmaßstab hergenommen, sondern auch (der meistens damit verbundene) Status. Hinter beidem herzurennen kann auf Dauer nur unglücklich machen. Die Priorisierung von Materiellem und gesellschaftlicher Wertschätzung führt die Leute weg von sich selbst. Glücklich werden sie auf diese Weise nicht.

    • Susanne Gold sagt:

      Danke für diese Ergänzung. Ja, Status – darum geht es vielen Menschen. Meist, aber nicht immer, ist der käuflich. Hat einen monetären Wert. Manchmal geht es aber auch um Sinn- und Identitätsstiftung. Das wäre einen eigenen Beitrag wert. Super Recherche -Tipp!

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