Wie denkt ein Hacker über den Facebook Skandal?

Ein Statement von Adrian Janotta

Jeden Tag besuchen 1,4 Milliarden Menschen Facebook. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Menschen mit Internetzugang.

Facebook – ein Gratisangebot

Allein in Deutschland nutzen 31 Millionen Menschen Facebook regelmäßig und kostenfrei.

Reichweite

Das Gratisangebot lockt damit Nutzer auf der ganzen Welt. Der Nutzer hat die Möglichkeit, seine Daten preis zu geben und mit anderen zu teilen. Privatpersonen können eine Reichweite erzielen, wie es in der Geschichte zuvor nie möglich war.

Kraft der vernetzten Kollektive

Nutzer können sich zu Kollektiven zusammenschließen und im Verband Dinge bewirken und beeinflussen. Macht ist nicht länger eine Einbahnstraße. Man denke an die zahlreichen Petitionen, die durch Facebook verbreitet werden können.

Nie zuvor hatten Menschen die Möglichkeit, sich in dieser Weise zu vernetzen und  Einfluss zu nehmen. Konsumenten schließen sich zusammen, bewerten Produkte – und können damit zu ihrem Erfolg oder auch zu deren Untergang beitragen. Selbst zum Boykott ganzer Unternehmen wird aufgerufen.

Sinn und Zweck von Facebook ist die Kommunikation

Ein Profil ist leicht erstellt. Das Profil mit dem entsprechenden Account ist auf Servern in den USA und in der ganzen Welt abgelegt – kostenlos für den Nutzer. Aber – allein die Kosten, die Facebook für diese Server hat, sind schwindelerregend hoch. Das muss natürlich bezahlt werden.

Werbeeinnahmen reichen nicht aus, um die Zeche zu zahlen

Besonders die Aktionäre von Facebook erwarten sich darüber hinaus noch Gewinne und gute Dividende.  Eines muss dem Nutzer immer bewusst sein. Facebook ist ein Unternehmen, keine soziale Institution. Es müssen Rechnungen beglichen, Gehälter bezahlt und Aktionäre zufrieden gestellt werden.

Personalisierte Werbung

Um die Kosten zu decken und die Bedürfnisse der Aktionäre zu befriedigen, verkauft Facebook Daten aus den Profilen und auch aus den privaten Chat Kommunikationen einzelner Nutzer untereinander. Dies mit dem Ziel, Produkte maßgeschneidert zu bewerben.

Auch die Politik ist ein Produkt, das sich verkaufen will

Die Möglichkeit  mit den Daten von Facebook – gezielt und maßgeschneidert für Wähler zu werben – nutzt auch die Politik. Sie kaufen Daten – jetzt  bei Facebook – wie sie es schon immer taten.

Parteien haben  für Werbezwecke früher Daten von der Deutschen Post gekauft. Hat sich jemand über die Deutsche Post aufgeregt? War das ein riesiger Skandal? Facebook hat nichts anderes getan, als damals die Deutsche Post: Ein Geschäft mit Daten zum Zweck der gezielten Werbung.

Medienwelle und Skandal

Als nun der Verkauf der Daten in der Öffentlichkeit besprochen wurde, kam es zum riesigen Skandal. Warum eigentlich?

Skandalös sind Medien und Politik selbst

Meiner Meinung nach ist nicht das Geschäft von Facebook der Skandal, sondern der Umgang der Medien damit.

Facebook betreibt dies Geschäft seit seiner Gründung so – für jeden nachlesbar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Das ist das Konzept von Facebook von Anfang an. Skandalös ist, dass die Politik sich an diesen Geschäften beteiligt – um so an die Daten von Wählern zu kommen – und die Medien, die nun dafür ausschließlich Facebook, statt auch die Politik verantwortlich zu machen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Frage, ob der Staat Facebook stärker regulieren soll,  mehr als absurd

Als nach der Anhörung des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg im US-Kongress die  EU-Justizkommissarin „eine schlaue Regulierung“ des sozialen Netzwerks forderte, hatte das für mich einen beinahe sarkastischen Beigeschmack. Es gleicht einem Griff nach dem Zepter der Macht – dem Griff nach dem größten Berg sozialer Daten – den es je in der Menschheit gab, durch Institutionen der Regierung.

Der Chefredakteur Alexis C. Madrigal zeigt im amerikanischen Magazin THE ATLANTIC, wie sehr Politik in den USA mittlerweile mit Facebook verstrickt ist. Sein detaillierter Beitrag verdeutlicht: Nicht nur der aktuelle Skandal um Cambridge Analytica ist besorgniserregend, sondern die gesamte Entwicklung, mit der sich die Politik an den Daten des größten jemals existierenden sozialen Netzwerkes bedient hat. Wenn Zuckerberg vor einem Gericht Rede und Antwort steht – dann steht er – übertrieben gesprochen – vor einem Vertreter seiner eigenen Vertragspartner.

Datenschutz selbst gestalten – Der Nutzer hat immer die Wahl

Datenschutz liegt bei jedem selbst und die Verantwortung dafür sollte man nicht beim Einloggen abgeben – weder an Facebook noch an eine staatliche Institution. Nutzer müssen Bewusstsein für ihre Daten haben.  Es sollte nur das publiziert werden, was man wirklich der ganzen Welt mitteilen möchte: Auch in den privaten Konversationen. Jedes Like ist eine Statement. Wenn man nicht möchte, dass öffentlich bekannt wird, dass mir etwas gefällt – like ich es nicht.

Nutzer sollten immer die AGB lesen und wissen, dass das, was sie in den sozialen Medien schreiben und veröffentlichen, für andere zugänglich ist.

Ich rate dazu, grundsätzlich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen. Das gilt auch für alle anderen Applikationen, die man sich auf dem Handy oder PC installiert – seien sie noch so lang und klein geschrieben.

Darüber hinaus rate ich dazu, sich über das aktuelle Zeitgeschehen immer auch in weiteren Medien zu informieren. Dies verhindert eine einseitige Information und die sogenannte „Filterblase“,  in der immer die Meinung reflektiert wird, die ich ohnehin habe.

Von einer Begrenzung der Freiheit und Einführung einer übergeordneten Instanz durch eine Regierungsinstitution halte ich nichts.

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